Apple gegen Samsung: Wieviel Macht soll ein Unternehmen haben?


Schon das zweite Mal in Folge muß ich einem Kommentar Guardian zustimmen; diesmal geht es um den Prozeß zwischen Apple und Samsung, eine gewaltige PR- und Anwaltsschlacht, in der es um nichts anderes als um die Vorherrschaft in der Post-PC-Welt geht. In den diversen Gerichten der Welt gewann manchmal Samsung, manchmal Apple, was angesichts der umfangreichen Patentportfeuilles der beiden kein Wunder ist. Doch in den USA war die entscheidende Runde: Weil dort das Schadenersatzrecht besonders unangemessene Folgen haben kann, selbst Prozesse in hochkomplizierten zivilrechtlichen Materien von Laien (in jeder Hinsicht) entschieden werden und ein anerkannt absurdes Patentsystem existiert. So werden in den USA (aber nicht nur dort!) vor allem im Softwarebereich Patente für die trivialsten Dinge erteilt, sind oft übermäßig allgemein gehalten, werden oft erteilt, obwohl sie bloß den Stand dem Technik widergeben, um nur einige Beispiele aufzuzählen.

Dan Gilmore meint im Guardian: (von mir übersetzt)

[ … ] Jetzt bin ich kein Fan von Samsung. Wie so viele andere in der Technologiewelt hat es sich in ethisch fragwürdiger Weise benommen. Und es offenbar viele Funktionen des iPhone imitiert – es war allerdings Apples langjähriger CEO Steve Jobs, der bekanntermaßen Picassos Sprichwort zitiert hat, daß gute Künstler kopierten und große Künstler stählen. [ … ]

Schlußendlich wird sich Apple mit nichts weniger als einer gänzlichen Kapitulation Samsungs, und im weiteren, andere Android-Hersteller, zufriedengeben, in dem, was Jobs einen „thermonuklearen Krieg“ nannte, den er vor seinem Tod gegen Android zu führen plante. Wenn Apple erfolgreich ist, werden enweder alle Android-Hersteller Apple eine Lizenzgebühr zahlen, oder Apple wird es einfach über Gerichtsverfahren für andere Telephonhersteller zu teuer machen, in Wettbewerb treten. Und wenn das geschieht, könnte Apples finanzielle Dominanz im Smartphonebereich (Android führt bei den Stückzahlen) und Apple überwältigende Dominanz im Tabletmarkt unüberwindbar werden. [ … ]

Mehr noch als Microsoft in seinen skrupellosesten Tagen in den Neunzigern will Apple die Kontrolle darüber wie wir Technologie einsetzen. Es sperrt iOS komplett ab,  schreibt vor, daß Programme nur über Apples eigenes Portal angeboten oder verkauft werden dürfen, und beschränkt den Wettbewerb, wenn ein Entwickler irgendetwas tut daß einen Einfluß auf Apples eigenes Geschäft haben könnte. Und während sich Apple immer weiter in die Wohnzimmer ausbreitet – es wird weithin mit etwas Richtung TV gerechnet – und darüberhinaus, müssen wir uns fragen: Wollen wir ein einziges Unternehmen mit so viel Einfluß?

Die Angelegenheit ist natürlich nicht zu Ende. Samsung bekämpft das Erkenntnis und will notfalls auch in Berufung gehen, Apple will ein Importverbot für Samsung-Produkte erwirken und in der Folge die Strafe noch nach oben treiben, die zwar jetzt bereits eine Milliarde Dollar beträgt, aber unter Umständen sogar verdreifacht werden könnte. Google hat Entlastungsangriffe gegen Apple über Motorola begonnen. Ein absurdes Spiel, das letztlich vor allem uns Anwendern schadet.

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