Was Eltern noch dürfen …


Im Schweizer Ökonomenblog Batz macht sich Monika Bütler Gedanken über die Rechte der Eltern. Auslöser ist ein Film, den sie in der Schweiz nicht mit ihren Kindern sehen konnte, weil dem Filmverleih die Kosten für die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft zu hoch waren. Der  Film war daher automatisch mit FSK 16 bewertet, und nach den in ihrer Jurisdiktion geltenden Jugendschutzgesetzen durfte sie daher den – offenbar harmlosen – Film über einen Violinwettbewerb nicht mit ihren Kindern anschauen. Dabei raisonniert sie:

Noch schlimmer ist, dass die staatlichen Behörden den Eltern und der Schule überhaupt nicht mehr trauen. Und dies sogar im öffentlichen Raum, wo die freiwillige Selbstkontrolle meist gut funktioniert. Niemand würde es wagen, mit einem Drittklässler im Kino „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock anzusehen. Und sollte er es dennoch tun, würde er wahrscheinlich spätestens an der Kasse von diesem Vorhaben abgehalten.

Zuhause gibt es keine solche Kontrolle. Klar gibt es unter den Eltern immer wieder schwarze Schafe [… .] Es nützen also die raffiniertesten Label nichts, wenn die Eltern ihre Aufsichtspflicht nicht wahrnehmen. […] Um die Eltern kommt der Staat gleichwohl nicht herum. Weshalb dann nicht auch im Kino die begleitenden Eltern entscheiden lassen?

Es geht ja nur um Filme, könnte man argumentieren, ein Luxusproblem also. Doch mit obligatorischen Kindersitzen, baulichen Einschränkungen zum Wohle der Jüngsten und Hüte-Lizenzen werden Eltern und Lehrer – unter dem Titel Jugendschutz und Sicherheit – mehr und mehr entmündigt. Irgendeinmal wird der Regeldschungel so dicht, dass die Erzieher und Ausbildner bei einer allfälligen Regulierungslücke aus Mangel an Übung den Kompass tatsächlich verlieren.

Das ist tatsächlich ein Problem fortschreitenden Erziehung zur Unfreiheit: Wenn man sich schon so weit auf die Bevormundung eingestellt hat, betrachtet man die Freiheit und damit einhergehende Verantwortung in einzelnen übriggebliebenen Bereichen ratlos und hat vorerst keine Ahnung, wie man damit umzugehen hat. Ein perfekter Vorwand, um unter dem Deckmantel des Kindeswohls, daß ja angeblich von Bürokratien am besten verwaltet wird, auch diese Freiheitsreservate aufzulösen.

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