Wieviel Steuern werden in Griechenland hinterzogen?


Daß die Steuerehrlichkeit in Griechenland nicht zu intensiv ausgeprägt ist, scheint heute ein Allgemeinplatz zu sein. Es stimmt auch, liegt allerdings nicht in irgendwelchen besonderen Eigenschaften der Griechen begründet, sondern in der Geschichte des Landes, wobei der Bürgerkrieg nach dem Zweiten Weltkrieg und der Sturz des Königs durch die Militärdiktatur wesentliche Marken dabei waren. Wie sehr es stimmt, zeigt eine neue Studie von Nikolaos Artavanis, Adair Morse und Margarita Tsoutsoura, drei Griechen, die allerdings in den USA an der Universität von Chicago bzw. am Virgina Polytechnic Institute and State University arbeiten. Ihr Ergebnis: 2009 wurden zumindest 28 Milliarden Euro an Einkommen in Griechenland nicht deklariert; das Defizit wäre bei Besteuerung wohl um 31% niedriger ausgefallen.

Das unversteuerte Einkommen ist bei Selbständigen durchschnittlich fast noch einmal so hoch wie das versteuerte Einkommen. Interessanterweise sind die Branchen mit der höchsten Rate an Steuerhinterziehung diejenigen, die im Parlament am besten vertreten sind: Rechtsanwälte,  Ärzte, Steuerberater, Ziviltechniker und Ingenieure und in der Bildung tätige Personen.

Griechenland: Steuerhinterziehung nach Vermögen, aus: Tax Evasion Across Industries: Soft Credit Evidence from Greece

Griechenland: Steuerhinterziehung nach Vermögen

Wie kommen sie zu den Zahlen? Die drei Ökonomen haben angenommen, daß in einem Land, in dem Steuerhinterziehung weit verbreitet ist, Banken ihre Kredite nicht nach steuerlich deklariertem Einkommen vergeben, sondern sich selbst ein Bild von der Zahlungskraft ihres Klienten machen. Daher haben sie sich Haushaltsdaten einer (zumindest früher) großen griechischen Bank angeschaut: Daten über Kreditkarten, Darlehen, Hypotheken, Überziehungsrahmen und Zahlungsmoral, verbunden mit der Postleitzahl. Als Benchmark dienen ihnen unselbständige Arbeitnehmer, bei denen eine geringere Spanne zwischen deklariertem und tatsächlichem Einkommen angenommen wird. Für die Berechnungen wird sogar die unrealistische Annahme der Identität der beiden Einkommen bei Unselbständigen angenommen; die Studienautoren betonen daher, daß ihre Berechnungen insgesamt sicher zu niedrig sind, da ja Unselbständige ebenfalls häufig pfuschen. Jedenfalls gehen sie davon aus, daß das Verhältnis von wahren Einkommen und Schulden im wesentlichen gleich ist, mit branchenspezifischen Abweichungen. Daraus können sie nun vermutete Einkommen schätzen.

Dabei zeigt sich z.B., daß Steuerberater durchschnittlich höhere Kreditraten für Verbraucherkredite zahlen, als sie offiziell verdienen, wobei sie sich hier in Gesellschaft mit Ärzten und Rechtanwälten befinden. Ihre Ausfallswahrscheinlichkeit ist aber nicht größer als die der Landwirte, die unter den untersuchten Branchen vergleichsweise steuerehrlich sind.

Alles in allem eine sehr interessante Studie mit einer gut nachvollziehbaren Methode, die auch für andere Länder durchaus interessant wäre.

(via FT Alphaville)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s