Woodford, Cochrane, Sumner: Geldpolitik-Lehren aus der Krise


In Jackson’s Hole fand vor kurzem das Economic Policy Forum der Federal Reserve Bank of Kansas City statt, geschmückt mit prominenten Rednern wie Notenbankchef Ben Bernanke, Andrew Haldane von der Bank of England, Stanley Fisher und Michael Woodford. Thema der Konferenz war u.a. das Arsenal der Zentralbank, wenn die Zinsenbereits an der 0%-Grenze ankommen, und die Wirksamkeit der dann zu treffenden Maßnahmen, oder der Zusammenhang zwischen dem Arbeitsmarkt und Geldpolitik. Die präsentierten Paper sind alle auf der Website der Federal Reserve Bank of Kansas City einsehbar.

Im Gefolge der Tagung ist eine interessante Kontroverse um das Paper von Michael Woodford entstanden, in dem er insbesondere deutliche Richtlinien der Zentralbank für ihre künftige Politik und Bilanzoperationen als Mittel hervorhebt, um auch dann die Wirtschaft zu beeinflußen, wenn die Zinsschraube nicht weiter gelockert werden kann. Als glaubwürdige Richtlinie taugt für Woodford insbesondere das Ziel eines bestimmten Wachstumspfads des nominellen BIPs. Der bekannte Chicagoer Ökonom John Cochrane lobt in einem Blogeintrag den theoretischen Teil des Papers, kritisiert aber die Schlußfolgerungen, insbesondere die Annahme, daß die Zentralbank sich glaubwürdig langfristig in dieser Angelegenheit binden kann – wenn die Inflation steigt, würde der Druck zur Zinsanhebung zu stark –, und daß eine Ausweitung der Geldmenge die Realwirtschaft beleben soll.

Scott Sumner, der in den letzten Jahren der führende Proponent eines Nominaleinkommensankers für die Geldpolitik war, antwortet ausführlich, und hebt dabei hervor, daß niedrige Zinsen meist auf eine vorangegangene strikte Geldpolitik hinweisen, Zinsen aber allgemein als Signal der Finanzmärkte und der Geldpolitik überbewertet werden.

Wer die Debatte um den richtigen Kurs der Zentralbanken in Krisenzeiten kondensiert lesen will, ist hier mit nur drei Texten bereits bestens im Bilde.

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