Obama: Selbst wenn er gewinnt, hat er verloren


Die beiden großen Wahlparteitage vor der USA-Präsidentschaftswahlen sind Geschichte, Barack Obama und Mitt Romney von ihren jeweiligen Parteien nominiert, und beiderseits viel Zeit darauf verwendet worden zu erklären, warum die jeweils andere Partei „out of touch with America“ und „extreme“ ist. Die Umfragen versprechen weiterhin einen spannenden Wahlkampf, ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem telegenen, bei den Medien äußerst beliebten und im Umgang mit der Popkultur höchst versierten Amtsinhaber Barack Obama, und Mitt Romney, der all das nicht ist. (Dafür aber in der Privatwirtschaft und als Organisator bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City erfolgreich war.)

Was ich damit andeuten will: Liest man die Zeitungen, verfolgt man die Nachrichten, ist gar nicht so klar, warum es überhaupt ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt. Obama hat den Journalistenvorteil, gilt als „cool“ und „hip“, unterhält beste Beziehungen nach Hollywood und zur werbeträchtigen Prominenz aus dem Musikgeschäft, der Kreativwirtschaft. Die Republikaner sind durch die Schuldenpolitik George W. Bushs und die Wirtschaftskrise, die am Ende der Bush-Ära begonnen hat, in den Augen vieler diskreditiert, ihre Kritik an Obamas Budgetpolitik klingt hohl. Und doch hat der US-Präsident so viele gravierende Eigenfehler begangen – und zugegebenermaßen die Republikaner die Zeit zur Erneuerung genutzt –, daß viele Wähler lieber keine weiteren vier glamourösen Obama-Jahre erleben würden und sich vier Jahre mit den unspektakulären Mitt Romney vorstellen könnten.

Ob Obama die Wahlen gewinnt oder nicht, er hat durch einen gesellschaftspolitischen Linksruck, wirtschaftspolitisches Versagen und mangelnde innerparteiliche Nachwuchspflege eine einmalige Chance für seine Partei verspielt, auf längere Zeit tonangebend zu sein. Selbst die Kongresswahlen 2010, bei denen die Republikaner wieder Tritt fassen konnten, waren kein Weckruf für ihn, politisch ins Zentrum zu rücken; im Gegenteil. Kimberley Strassel analysiert das im Wall Street Journal mit der bissigen Überschrift „The Party That Obama Un-Built“, in Anspielung auf Obamas Aussage, niemand können von seinem Geschäft, Betrieb, Landwirtschaft behaupten, er habe es selbst aufgebaut. Sollte Obama verlieren, so stehen die Demokraten wohl mit leeren Händen dar, da sie auch im Senat und im Repräsentatenhaus schlechte Karten für die Mehrheit haben.

Interessant dabei, daß die Republikaner von den Demokraten im Wahlkampf als die Partei der „alten weißen Männer“ dargestellt werden und schnell einmal als Rassisten bezeichnet werden; selbst Kritik an Obamas intensivem Golfspiel wurde bereits als rassistisch denunziert, da angeblich Golfen wegen Tiger Woods ein Codewort für Rassismus sei. Und doch haben die Republikaner z.B. zwei Gouverneure mit indischen Wurzeln (Bobby Jindal in Louisiana, Nikki Haley in South Carolina), zwei mit mexikanischen Wurzeln (Susanna Martinez in New Mexico, Brian Sanovar in Nevada), die Demokraten dagegen können lediglich auf den Gouverneur von Massachussetts verweisen. Im Senat ist es wieder umgekehrt, im Repräsentatenhaus auf Grund der minority-majority-districts schwer zu vergleichen; in Summe liegen beide Parteien bei der Diversität ziemlich gleich. Allerdings ist mir das Denken in solchen Kategorien ohnehin zuwider. Die Hautfarbe darf eben keine Rolle spielen.

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Ein Gedanke zu “Obama: Selbst wenn er gewinnt, hat er verloren

  1. Was ein Monat ändern kann: Die Senatsmehrheit ist nach derzeitigen Umfragen für die Demokraten auch bei einer Niederlage Obamas nicht ausgeschlossen. Doch an der Grundaussage ändert das nichts: Die Demokraten hatten 2008 eine Chance, auf längere Zeit die tonangebende Partei zu sein, und haben sie verstreichen lassen.

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