Der Papst im Libanon: Ein anspruchsvolles Programm


Der Gegensatz könnte größer nicht sein: Von Islamisten aufgehetzter Mob stürmt und brandschatzt Botschaften, versucht durch Mord und Gewalt Widerspruch zu unterdrücken. Gleichzeitig reist Papst Benedikt XVI. in den Libanon, und appelliert dort, sich gemeinsam gegen die allgegenwärtige Gewalt einzusetzen. In seiner Ansprache an Jugendliche in Bkerké rief er Ihnen zu:

Sagt in eurer Umgebung, daß der Papst an euren Leiden und eurer Trauer Anteil nimmt. In seinen Gebeten und in seiner Sorge vergißt er Syrien nicht. Er vergißt die leidenden Menschen im Nahen Osten nicht. Es ist Zeit, daß Muslime und Christen sich vereinen, um der Gewalt und den Kriegen ein Ende zu setzen.

In seiner Ansprache im Präsidentenpalast formuliert er die Friedensbotschaft ganz grundsätzlich:

Von jedem von ihnen und von allen zusammen hängen seine [des Landes] Zukunft und seine Fähigkeit ab, sich für den Frieden zu engagieren. Ein solches Engagement wird nur in einer geeinten Gesellschaft möglich sein. Einheit bedeutet jedoch nicht Einförmigkeit. Der Zusammenhalt der Gesellschaft wird durch die ständige Achtung der Würde jedes Menschen gewährleistet ebenso wie durch den verantwortlichen Beitrag eines jeden einzelnen entsprechend seiner Fähigkeiten zu ihrem Besten. Um den für den Aufbau und die Festigung des Friedens notwendigen Dynamismus sicherzustellen, muß man immer wieder zu den Grundlagen des Menschen zurückkehren. Die Würde des Menschen ist nicht zu trennen von der Heiligkeit des vom Schöpfer geschenkten Lebens. Im Plan Gottes ist jeder Mensch einzigartig und unersetzbar. Er kommt in einer Familie zur Welt, die der erste Ort seiner Humanisierung und vor allem die erste Erzieherin zum Frieden ist. Um den Frieden aufzubauen, muß sich daher unsere Aufmerksamkeit auf die Familie richten, um ihre Aufgabe zu erleichtern, sie auf diese Weise zu unterstützen und dadurch überall eine Kultur des Lebens zu fördern. Die Wirksamkeit des Einsatzes für den Frieden hängt davon ab, welche Auffassung vom menschlichen Leben die Welt haben kann. Verteidigen wir das Leben, wenn wir den Frieden wollen! Diese Logik schließt nicht nur den Krieg und terroristische Aktionen aus, sondern auch jeden Angriff auf das Leben des Menschen, des von Gott gewollten Geschöpfes. Die Gleichgültigkeit oder die Leugnung dessen, was die wahre Natur des Menschen ausmacht, verhindern die Achtung jener Grammatik, die das dem Menschen ins Herz eingeschriebene Naturrecht ist. Die Größe und der Seinsgrund jedes Menschen sind nur in Gott zu finden. Die bedingungslose Anerkennung der Würde jedes Menschen, eines jeden von uns und die Anerkennung der Heiligkeit des Lebens schließen die Verantwortung aller vor Gott ein. Wir müssen deshalb unsere Anstrengungen vereinen, um eine gesunde Anthropologie zu entwickeln, die die Einheit der Person einschließt. Ohne sie ist der Aufbau wahren Friedens nicht möglich.

Daraus entwickelt er einen Aufruf zu einer Erziehung, einer Kultur des Friedens, die in der Achtung des Lebens jeden einzelnen gegründet ist, und in einer Kultur der Vergebung und Umkehr ihren Ausdruck findet, um deutlich zu machen:

Ein neuer und freierer Blick soll dazu fähig machen, menschliche Systeme, die in Sackgassen führten, zu analysieren und in Frage zu stellen, um der Vergangenheit Rechnung tragend voranzuschreiten, damit diese mit ihren verheerenden Auswirkungen nicht wiederholt werden. Diese erforderte Umkehr reißt mit, denn sie eröffnet Möglichkeiten dadurch, daß sie einen Anruf an die zahlreichen Ressourcen richtet, welche im Herzen so vieler Männer und Frauen wohnen, die sich nach einem Leben in Frieden sehnen und bereit sind, sich für den Frieden einzusetzen. Diese Umkehr ist nun besonders anspruchsvoll, wenn es darum geht, nein zur Rache zu sagen, eigene Fehler einzugestehen, Entschuldigungen anzunehmen, ohne sie zu suchen, und schließlich zu vergeben. Denn nur die gewährte und empfangene Vergebung legt die dauerhaften Grundlagen der Versöhnung und des Friedens für alle.

Ein tatsächlich anspruchsvolles Programm, das jeden von uns betrifft. Es wäre schön, wenn die Worte seiner Ansprachen in die Herzen vieler Zuhörer und Leser gepflanzt werden, weil sie tiefer gehen als bloße Friedensrufe, sondern die Sache selbst berühren.

Hier gibt es mehr Informationen über die Libanonreise des Papstes bei Radio Vatikan; auf der Website des Vatikan kann man die Reden des Papstes nachlesen.

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