Wer Frieden stiften will …


Die Libanonreise Papst Benedikt XVI. ist zuEnde gegangen, und sie hat im Gastland anscheinend ein großes und zustimmendes Echo hervorgerufen. Das bezeugt schon die große Zahl an Menschen, die in dem kleinen Küstenland mit seiner muslimischen Mehrheit zu den Feierlichkeiten gekommen sind. Alleine 300.000 Menschen waren bei der Abschlußmesse dabei!  Und für das Thema der in der Gottesebenbildlichkeit des Menschen angelegten gegenseitigen Gewaltlosigkeit, der grundlegenden Bedeutung der Religionsfreiheit für eine freie Entfaltung des Menschen, war der Libanon mehr als jedes andere Land der richtige Ort. Von jahrzehntelangem Bürgerkrieg entzweit und zerstört, ist der Libanon in eine labile Normalität zurückgekehrt, an der Christen, Muslime und Drusen immer noch mit viel Einsatz arbeiten müssen, um einen Rückfall in die alte Zeit des Mordens zu verhindern. Die Präsenz radikaler, von ausländischen Gönnern finanzierten Gruppen wie der Hisbollah erleichtert das nicht gerade.

Im Angelus, in dem der Heilige Vater im besonderen der Gewalt in Syrien gedachte, sagte er es kurz und bündig:

Wer Frieden stiften will, muß aufhören, den anderen als ein Übel anzusehen, das zu beseitigen ist. Es fällt nicht leicht, im anderen einen Menschen zu sehen, der zu achten und zu lieben ist; doch ist eben dies notwendig, wenn man Frieden stiften möchte, wenn man Brüderlichkeit will.

Ich habe schon gestern über den Gegensatz zwischen der fundamentalen Friedensbotschaft des Papstes und den Anschlägen quer durch die islamische Welt geschrieben. Die FAZ hat diesen Kontrast ebenfalls gesehen, und schreibt über den den „Papst im Libanon gegen ,Wutmuslime‘“:

Denn das Oberhaupt der katholischen Weltkirche zeigte den Christen und Muslimen im Nahen Osten den Frieden und die Demut als Gegenentwurf zu der Gewalt, in deren Griff sich die Region befindet.

Papst Benedikt XVI. lässt es dabei nicht bei einer philosophischen Betrachtung bewenden, warum die menschliche Familie keine Gewalt untereinander zulassen darf, sondern wird sehr konkret bei den Anforderungen an die Freiheit etwa für die Familien, an den Umgang der Religionsgemeinschaften miteinander, bei den Aufgaben, die den Christen zukommen, um diese friedvolle Gesellschaft aufzubauen. Dieser Frieden ist nicht einfach Abwesenheit von Gewalt, sondern ein besonderer Umgang und Zugang der Menschen miteinander.

Bei seiner herzlichen Verabschiedung aus dem Libanon hat Papst Benedikt XVI. das Generalthema des Friedens noch einmal ganz konkret für den Libanon angesprochen und den Menschen im Libanon zugerufen:

Könnte der Libanon weiterhin ein Ort sein, wo die Männer und Frauen in Eintracht und in Frieden miteinander zu leben vermögen, um der Welt nicht nur das Zeugnis von der Existenz Gottes – das war das erste Thema der vergangenen Synode – zu geben, sondern ebenso das Zeugnis von der Gemeinschaft zwischen den Menschen – dem zweiten Thema der Synode – wie es auch immer um ihre politische, gemeinschaftliche und religiöse Sensibilität steht!

Ich bete zu Gott für den Libanon, damit er im Frieden lebe und mutig allem widerstehe, was ihn zerstören oder bedrohen könnte. Ich wünsche dem Libanon, daß er weiterhin die Vielfalt religiöser Traditionen zuläßt und daß er nicht auf die Stimme jener hört, die sie verhindern wollen. Ich wünsche dem Libanon, daß er die Gemeinschaft unter allen seinen Bewohnern stärkt, was auch immer ihre Herkunft und Religionszugehörigkeit sei, indem er alles entschieden zurückweist, was zum Auseinanderbrechen führen könnte, und sich mit Entschlossenheit für die Brüderlichkeit entscheidet. Da gibt es gottgefällige Blüten, Tugenden, die möglich sind und für die es angebracht wäre, sie durch tiefere Verwurzelung zu festigen.

Mögen diese Wünsche gewährt werden.

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