Ö1: Zwangssterilisation für einen Heimplatz


Das Aussortieren von Menschen, die von anderen für nicht „lebenswürdig“ gehalten werden, wird gerade wieder salonfähig; man denke nur an Julian Savulescu, den wohlbestallten Ethikprofessor in Oxford, an die häufig angewandte Euthanasie ohne Einwilligung des Betroffenen in den Niederlanden, und mehr. Und doch wird gerade erst bekannt, wie lange die Proponenten der letzten Eugenik-Welle ihr Werk verrichtet haben.

So kommt gerade ans Tageslicht, daß in Wien bis 2001 und auch anderswo in Österreich Kinder zwangssterilisiert wurden. Wie das Ö1-Mittagsjournal berichtet, wurde auf die Eltern Druck ausgeübt, sich damit einverstanden zu erklären, damit die Kinder überhaupt einen Pflegeplatz bekommen. Einhergehend mit der erfolgten Sterilisation soll es vermehrt sexuelle Übergriffe auf die Kinder durch Betreuungspersonal gegeben haben, so der Bericht, da die Betreuer nun auch keine eventuelle Schwangerschaft als Beweis ihrer Tat zu erwarten hatten.

Mit den Zwangsterilisationen, schweren hormonellen Eingriffen und einer äußerst weitgreifenden Abtreibungspraxis soll der Kinderarzt Andreas Rett im Zusammenhang stehen, im Dritten Reich NSDAP-Mitglied, nachher beim BSA, dem SPÖ-Akademikernetzwerk, aktiv. Nach ihm ist der Andreas-Rett-Park in Wien benannt. Nicht der einzige Name in der Wiener Topographie für einen Verfechter der Eugenik, man denke nur an den Julius-Tandler-Platz oder die Per-Albin-Hansson-Siedlung.

Es ist jetzt leicht, alles auf Andreas Rett zu schieben, der übrigens auch wissenschaftlich höchst wertvolle Arbeit wie die Beschreibung des Rett-Syndroms geleistet hat und sich u.a. für den Mutter-Kind-Pass und eine bessere Heilpädagogik für geistig Behinderte eingesetzt hat. Er hat auch ein Buch zur kritischen Aufarbeitung der NS-Rassenbiologie mitverfaßt; der Vorwurf, er sei Zeit seines Lebens Nationalsozialist geblieben, geht wohl ins Leere. Das „National“ fiel schon weg. Es ist da nicht alles Schwarz-Weiß und nicht so einfach: Denn für die verbreitete Praxis haben schon mehr Personen dazugehört, welche die eugenischen Ratschläge des Dr. Rett gerne aufgenommen und umgesetzt haben.

Welche Ratschläge das waren, kann man bei der Initiative „Selbstbestimmt Leben in Österreich“ nachlesen, die schon vor Monaten auf die frühere Praxis in vielen österreichischen Kinderheimen aufmerksam gemacht hat. Von der Auslese auf Grund des Intelligenzquotienten bis zur prophylaktischen Abtreibung aller Menschen, die Down-Syndom haben könnten, ein weites, düsteres Feld.

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