Exportmeister Mexiko


Bei Mexiko denkt der Nachrichtenleser vielleicht an Drogenkartelle und die Toten in Ciudad Juárez; der Partylöwe denkt vielleicht an Corona Extra und Tequila; der Cineast an die staubigen Straßen und kargen Landschaften aus diversen Western; der Urlauber denkt vielleicht an Acapulco.

Doch Mexiko hat heutzutage eine ganz andere Erfolgsgeschichte zu bieten. Das Land ist zu einem bedeutenden Exporteur von Erzeugnissen geworden, wie die kanadische Zeitung „Globe and Mail“ anschaulich beschreibt:

Suddenly, it seems, Mexico has become the preferred centre of manufacturing for multinational companies looking to supply the Americas and, increasingly, beyond. Today, Mexico exports more manufactured products than the rest of Latin America put together.

The result of this turnaround can often seem counter-intuitive. Chrysler, for example, is using Mexico as a base to supply some of its Fiat 500s to the Chinese market.

Die Gründe dafür sind einfach und kompliziert zugleich:

Einfach, weil Mexiko, ganz den ökonomischen Theorien entsprechend, in den letzten Jahren auf Freihandel, auf offene Grenzen gesetzt hat und sich daher leicht in Wertschöpfungsketten integrieren lässt; weil Mexiko sich durch das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA selbst gebunden hat und um den Preis eines Zugangs zum wichtigen US-Markt rechtstaatliche Prinzipien und stabile Rahmenbedingungen glaubwürdig implementiert; weil Mexiko von klassischer Standortpolitik mit Industrieparks und Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur bis zu Investitionen in Bildung in den letzten Jahren und Jahrzehnten einiges geleistet hat.

Kompliziert, weil in der typischerweise extraktiven mexikanischen Gesellschaft diese Maßnahmen erst einmal durchzusetzen waren. Setzt man auf Freihandel, bringt man die nicht wettbewerbsfähigen Industrien gegen sich auf, die für Protektionismus auf Kosten der anderen Menschen eintreten. Verpflichtet man sich glaubwürdig z.B. zur Rechtsstaatlichkeit, bringt man alle gegen sich auf, die dadurch Macht einbüßen. Die Demokratisierung in den Achtzigern und Neunzigern traf auf heftigen Widerstand. Mancur Olson hat bekanntlich dargestellt, wie systeminhärent kleine Gruppen ihre Interessen auf Kosten der Allgemeinheit durchsetzen, weil die Mehrkosten, die auf jeden einzelnen entfallen, viel geringer sind, als die Pro-Kopf-Gewinne der kleinen Gruppe. Es ist daher nicht zu überschätzen, was hier in Mexiko geleistet worden ist, in dem einige dieser Gruppenpolitiken tatsächlich über Bord geworfen werden konnten.

Der Aufstieg Mexikos ist in etwa mit dem Chiles und der Türkei zu vergleichen, die im gleichen Zeitraum ähnliches Wachstum zu verzeichnen hatten und sich heutzutage auch auf ähnlichem Wohlstandsniveau bewegen — eine noch vor zwanzig, dreißig Jahren kaum vorstellbare Entwicklung, die Millionen Menschen aus der Armut befreit hat. Und eine Erfolgsgeschichte, über die man selten spricht.

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