Zu Herbert Rosendorfer


Zum Tod von Herbert Rosendorfer haben schon viele etwas geschrieben, so hier die Süddeutsche. Daher möchte ich nur ein paar persönliche Einwürfe ergänzen. Der geborene und gestorbene Südtiroler sowie Wahl-Bayer hat mit einem scharfen Sinn für den Übergang von der Banalität in die Absurdität, von der Realität in die Phantasie Szenen beschrieben, die einerseits aus einer anderen Welt waren und doch von hier. Da hat dem Schriftsteller Rosendorfer vielleicht auch der Richter Rosendorfer geholfen, denn so mancher Streit, der vor Gericht ausgetragen wird, bewegt sich auf eben jener feinen Linie.

Freilich, das Weltbild Rosendorfers kann einem heute zurecht verstaubt vorkommen; er kämpfte Schlachten anderer Zeiten nach, seine kritisch-pessimistische Haltung verstellte ihm manchmal den Blick auf das Ganze. Doch vielleicht hat ihn gerade dieser Pessimismus zu so einem Schelm gemacht. Wenn die Welt schon schlecht ist, wollen wir wenigstens darüber lachen können. Feine Parodie, phantastische, witzige Geschichten, die bei genauer Analyse umso bitterer die Wirklichkeit erzählen, das wurde sein Metier im Roman wie am Theater.

Als kleines Beispiel: Er hat bekanntlich die Geschichte vom deuschen Komponisten Otto Jägermeier mitgesponnen, dessen frei erfundene Vita sich auch in Musiklexika nachlesen lässt und dort von einem absurden Lebenslauf – der Künstler soll z.B. viele Jahre in Madagaskar verbracht haben –  begleitet wird. Einige vorgebliche Stücke des deutschen Spätromantikers sollen sogar im Sender Freies Berlin gespielt worden sein. Diese eigene Geschichte hat Herbert Rosendorfer in seinem Spätwerk „Die Meister“, einer köstlichen Auseinandersetzung mit der Musikwissenschaft, Fälschungen und Plagiaten, dann offensichtlich wiederum als Inspiration gedient. Sein Bestseller „Briefe in die chinesische Vergangenheit“ über die Abenteuer eines zeitreisenden Chinesen im Bayern der Achtziger Jahre ist auch heute in vielen Buchhandlungen zu finden und immer noch gut zu lesen. Man könnte jetzt noch fortsetzen, doch der Werke und Talente Rosendorfers sind für einen Blogeintrag einfach zu viele.

Auf der Homepage der Familie Habermehl kann man viel zu Herbert Rosendorfer erfahren, findet Links zu Rezensionen und Informationen über erfundene und echte Gestalten aus Rosendorfers Werk, wobei auch da die Grenze zwischen den Kategorien fließend ist. Sicher eine interessante Reise.

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