Von der Verwaltungskirche zur Missionskirche


Die „größte Pfarr-Reform seit Joseph II.“ (© Erzdiözese Wien) in Wien und dem angrenzenden Wein- und Industrieviertel Niederösterreichs sorgt für Schlagzeilen, nicht zuletzt wegen der Wien-zentrierten Medienlandschaft unseres Landes.

Warum ich das so schreibe? Weil das Wiener Konzept nicht so umwerfend neu ist. Die Pfarreform der Diözese Graz-Seckau hat bei weitem nicht so ein Echo erhalten, und doch ähnelt sie in vielen Punkten. Aus Pfarren werden große Pfarrverbände mit zumindest zwei Priestern, so daß jene Priester entlastet werden können, die „nicht so sehr das Charisma der Leitung“ haben, wie es in Graz so schön heißt. Es wird auf ein vielfältiges Engagement aus der Mitte der Gläubigen gesetzt, bei dem den einzelnen Personen klar abgegrenzte und daher auch leichter bewältigbare Aufgaben gestellt werden. Die einzelne Gemeinde wird als pastoraler Ort konzipiert, die Pfarre bzw. der Pfarrverband ein großräumiger Territorialverband, innerhalb dessen lokale und kategoriale Seelsorge verwirklicht werden soll.

Freilich hat sich meines Wissens nach (ich lasse mich gerne korrigieren) weder die sogenannte „Pfarrerinitiative“ noch die „Laieninitiative“ noch sonst einer dieser Gruppen aufgeplustert, als das Graz-Seckauer Modell 2011 vorgestellt wurde. Komisch auch.

Nebenbei gibt es in ländlichen Gebieten zum Teil bereits länger solche Strukturen, insbesondere in Ordenspfarren, wenn mehrere Ordensleute zwar nicht formell, aber praktisch gemeinsam mit der Leitung mehrer Pfarren auf einmal betraut sind.

Die Änderungen, die in Graz-Seckau, Wien und anderswo vorgeschlagen werden, sind notwendig, auch wenn ein Helmut Schüller und Konsorten als reaktionäre Strukturbewahrer das nicht erkennen wollen: Die verwaltende Amtsstruktur, die in Österreich (und wohl auch Deutschland und der Schweiz) mit Hilfe der Kirchensteuern und Kirchenbeiträge aufgebaut wurde, und das immer noch auf eine bloße Betreuung vorhandener Gläubiger abgestellte Pfarrsystem sind angesichts großer Umbrüche in der Bekenntniszugehörigkeit einfach obsolet. Wir können uns ruhig etwas von den wachsenden Diözesen Asiens und Afrikas abschauen, wie eine missionarische Kirche leben soll und muß. Diese Umstellung findet (sehr) langsam, aber stetig statt, und wird das Antlitz der Kirche in Österreich ohne Zweifel lebendiger machen. Ganz ohne großmaulige Initiativen, sondern durch die unzähligen Arbeiter im Weinberg des Herrn.

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