Die neun Chöre der Engel


Am 29. September ist das Fest der Erzengel Michael, Raphael und Gabriel. Erzengel und Engel – etwas, das uns heute manchmal fremd vorkommt, einerseits durch die Esoteriker mit ihrem übersteigerten Engelkult, andererseits durch die Rationalisten, die uns den Glauben an Engel austreiben. Im Blog „Heiligstes Herz Jesu“ kann man eine gute Zusammenfassung lesen, was ein Engel eigentlich ist und warum sie so dargestellt werden, wie es der Fall ist. Nicht etwa, weil sie tatsächlich so aussehen würden, sondern, weil die Darstellung Aspekte ihres Wesens für uns Menschen begreifbar macht.

Engel kommen in der Bibel mehrfach vor. Sie begegnen Abraham und erzählen ihm, daß seine Frau Sara einen Sohn gebären werde. Zwei Engel suchen in der Stadt Sodom nach Gerechten. Der Erzengel Gabriel verkündet Maria den Plan Gottes mit ihr. Auch in der Offenbarung des Johannes werden Engel, besonders der Erzengel Michael, genannt.

Im 5. Jahrhundert machte sich jemand, den wir nur als Pseudo-Dionysius Areopagita kennen, Gedanken über die Welt der Engel, und verfaßte ein Buch über die „Himmlische Hierarchie“, dessen deutsche Übersetzung dank der Bibliothek der Kirchenväter der Universität Freiburg öffentlich zugänglich ist. Darin sieht der Autor die Hierarchie der Kirche als Abbild einer himmlischen Hierarchie, die in die bekannten neun Chöre der Engel eingeteilt wird, auch wenn der Areopagit betont, daß nur Gott selbst weiß, wieviele Ordnungen der Engel es nun wirklich gebe. Mit dieser Hierarchie hat es eine besondere Bewandtnis, die in gewisser Weise an neuplatonische Überlegungen erinnert:

Demnach besagt der Ausdruck „Hierarchie“ eine gewisse ganz heilige Institution, ein Abbild der urgöttlichen Schönheit, welches in hierarchischen Abstufungen und Erkenntnissen die Mysterien der entsprechenden Erleuchtung heilig auswirkt und Verähnlichung mit dem eigenen Urbild, soweit es nur immer geschehen kann, hervorbringt. Denn für jedes Mitglied der Hierarchie besteht die Vollendung darin, daß es seinem zuständigen Grade entsprechend zum Nachbild Gottes erhoben werde, ja daß es wahrhaftig, was noch göttlicher als alles andere ist, wie die Schrift sagt, zu einem Mitwirkenden mit Gott werde und in sich selbst die göttliche Wirksamkeit nach Möglichkeit zeige und hervortreten lasse. Durch die Stufenordnung der Hierarchie ist es bedingt, daß die einen gereinigt werden, die andern reinigen, daß die einen erleuchtet werden, die andern erleuchten, daß die einen vollendet werden, die andern vollenden. Und wie nach diesem Gesetze einem jeden das Nachbild Gottes angemessen sein wird, so wird er zur Teilnahme an Gottes Wirken erhoben werden. Die göttliche Glückseligkeit aber ist, nach Menschenart zu reden, jeglicher Vermischung mit irgend einem fremdartigen Element unzugänglich, erfüllt von ewigem Lichte, vollkommen und, gar keiner Vollkommenheit ermangelnd, reinigend, erleuchtend und vollendend, besser gesagt, heilige Reinigung, Erleuchtung und Vollendung, die über Reinigung und über Licht erhaben ist, die vor Anbeginn vollkommene subsistierende Urquelle aller Vollkommenheit, die über alles Heilige im Übermaß hinausgerückte Ursache jeglicher Hierarchie.

In der Schrift des Areopagiten werden auch die neun Chöre der Engel genannt:

1) Die heilige Schrift hat neun Namen für die Engel; der „Lehrer“ des D. ordnet je drei Chöre in eine Gruppe und stellt also drei Triaden auf.
2) Die erste Triade ist die nächste um Gott und umfaßt die Throne, Cherubim und Seraphim. Sie ist Gott am ähnlichsten und empfängt die göttlichen Strahlen unmittelbar. Die zweite Triade besteht Gewalten, Herrschaften und Mächten. Die letzte Triade bilden die Engel, Erzengel und Fürstentümer.

Dabei sind die oft besungenen Cherubim und Seraphim und die Throne dem Herrn am ähnlichsten, die letzte Triade ist schon der Welt näher. Die Engel im engeren Sinn sind in der Schrift des Pseudo-Dionysius Übersetzer des himmlischen Willens und der Welt am ähnlichsten, die gefeierten Erzengel in seiner Interpretation eine Stufe darüber.

Wenn man den Text liest, merkt man starke Parallelen zur Lehre des Einen in Vollkommenheit, dessen überfließende Fülle Grund des erfahrbaren Seins in minderen Formen ist, wie es, vereinfacht gesagt, im Neuplatonismus anzutreffen ist. Doch macht der Autor deutlich, daß seine Überlegungen nicht auf eigener mystischer Vertiefung, sondern Auseinandersetzung mit der göttlichen Offenbarung beruhen. Engel sind für ihn kein Stadium der Erleuchtung, auch keine kleinen Schutzgeister, sondern schlicht das nächste Zipfel, daß wir von der himmlischen Herrlichkeit erahnen können.

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