Thomas von Aquin und ein Irrtum „einiger Sarazenen“


Auf „Eum Loquatur“ unternimmt es Johannes Roger Hanses schon längere Zeit, die „Summe gegen die Heiden“ des Thomas von Aquin zu kommentieren. Ein hochinteressantes Aggiornamento. Der Aquinat diskutiert und denkt über Gott, sein Wesen, die Schöpfung und den Sinn des menschlichen Lebens auf Basis der natürlichen Vernunft nach, so daß auch ein nichtchristliches Publikum seinen Argumenten folgen könnte. Er ist damit auch für den heutigen Leser wohl zugänglicher als die „Summa Theologiae“, wiewohl sie ebenfalls bis heute ein lesenswertes, den Intellekt herausforderndes Buch bleibt.

Nun stellten zur Zeit des Thomas von Aquin (wie auch heute) moslemisch geprägte Menschen einen großen Teil der „gentiles“, und so ist es nicht schwer, einen Bezug zwischen dem Werk und dem Islam herzustellen, auch wenn er nur selten erwähnt wird. Und dieser Bezug ist brandaktuell, wie Johannes Roger Hanses in seinem Kommentars zu Kapitel I,23 schreibt:

Im Streit um Mohammed werde ich den Verdacht nicht los, dass die muslimischen Streithähne so auffallend schnell beleidigt sind, damit ihr Prophet nicht springen muss. Es scheint, dass da eine Wahrheit nicht an den Tag soll. Wenn man sich früh genug erregt und den Beleidigten spielt, dann kann man die Diskussion nämlich abwürgen, bevor einer Gelegenheit hat, die Wahrheit herauszufinden oder auf die Idee kommt, sie zu suchen. […] Ich will nun über den Propheten des Islam nicht sagen, dass er kein Großer wäre. Schließlich hat er eine ganz große Wirkung in der Geschichte der Religion und überhaupt in der Geschichte der Welten gehabt. Ich kann mich aber der Erkenntnis nicht erwehren, dass Mohammed sich ganz groß geirrt hat, als er versuchte, das Christentum zu verstehen.

Das wäre ja nicht weiter schlimm, wenn nicht der Koran selbst mehrfach Anhaltspunkte dafür liefern würde, daß diejenigen, die diesen zusammengestellt haben, nur ein schemenhaftes Bild des christlichen Glaubens hatten, man vergleiche etwa die Annahme einer christlichen „Dreigottheit“ Gott – Christus – Maria und damit die „Beigesellung anderer zu Gott. Siehe dazu auch diesen interessanten Artikel von Christine Schirrmacher der Evangelischen Allianz. Da der Koran unfehlbar ist – in einer Weise, die in etwa der Inerrancy-Schule bei manchen evangelikalen Christen entspricht –, können sich die Verfasser der Korans aber in dieser Beschreibung christlicher Orthodoxe nicht geirrt haben, der Hinweis auf einen solchen Irrtum kann daher nur eine gezielte Beleidigung sein.

Diese Diskussion ist nicht neu, und so betont auch Thomas von Aquin, daß es bei Gott nichts beigeselltes geben kann, um damit einen Irrtum „einiger Sarazenen“ aufzuklären. Das entspricht dem Aufbau der Argumentation, den er schon in den vorhergehenden Kapiteln entfaltet hat. Ein Schlüsselsatz:

„Divina autem substantia est ipsum esse. Ergo nihil habet quod non sit de sua substantia. Nullum ergo accidens ei inesse potest.“

Hier kann man übrigens eine lateinisch-englische Fassung der Summa nachlesen, falls man im Englischen fitter als im Lateinischen ist.

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3 Gedanken zu “Thomas von Aquin und ein Irrtum „einiger Sarazenen“

  1. Pingback: “Unsere” Summe in englischer Sprache | Johannes Roger Hanses

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