Der erste Kartäuser


Am 6. Oktober ist der Todestag des heiligen Bruno von Köln (ca. 1031 – 1101), der auch Bruno der Kartäuser genannt wird, um ihn von Erzbischof Bruno von Köln unterscheiden zu können. Unserem Bruno wäre eine glänzende Karriere offengestanden: Er hatte es zuerst zum Lehrer an der Domschule, dann zum Domherrn, schließlich zum Kanzler des Erzbischofs von Reims gebracht, damals ein durchaus prestigereicher Posten, war die Kathedrale von Reims doch die Krönungskirche der französischen Könige. Doch er und der Erzbischof gerieten in Konflikt: Dieser, Manasses I. von Gournay, war ein Repräsentant eines verweltlichten Klerus, der tief in die Herrschaft integriert war: Fürsten bestimmen über geistliche Würdenträger, Bischofsämter werden verkauft. Auch Manasses soll sein Amt duch Simonie (Ämterkauf) errungen haben, und in seiner weiteren Amtsführung mehr davon geleitet worden sein, wie er seinen Wohlstand vermehren könnte.

Bruno kann da nicht mitmachen und tritt bei der Synode von Autan gegen den Erzbischof auf, macht seine Handlungen publik. Der päpstliche Legat Hugo von Die, der die Reformen Papst Gregors VII. unterstützt,  prüft  die Vorwürfe und suspendiert den Erzbischof, der sich revanchiert, in dem er Bruno entlässt und die Häuser der Ankläger und Zeugen gegen ihn zerstören lässt. Bruno flieht, während der Erzbischof in Rom Berufung gegen seine – offensichtlich nur wenig wirksame – Suspendierung einlegt. Erst die endgültige Absetzung durch den Papst und eine Erhebung der Gläubigen zwingen Manasses von Gournay zur Aufgabe. Bruno könnte zurückkehren, sogar Erzbischof werden – doch er hat längst andere Pläne. Und nach dem Treiben seines früheren Vorgesetzten ist das wohl verständlich.

Mit Gefährten gründet er ein kleines Kloster in der unwegsamen Gegend von Chartreuse, die erste Kartause, wie man sie auf Deutsch nach der Gegend nennt. Einen Ort des Gebets und der Arbeit, einen Ort für Eremiten, ohne ein Ort der Einsamkeit zu sein. Die Brüder leben in einfachen Zellen in kontemplativer Stille, sorgen aber auch für die Gemeinschaft. Wie man auf den Seiten der Kartause Gaming (die leider seit Joseph II. keine mehr ist) nachlesen kann:

Er verbindet harmonisch eremitisches mit zönobitischem Leben. Das Kartäuserleben ist schwerpunktmäßig Einsiedlerleben. Die äußere Einsamkeit der Zelle, wie die Klausen genannt werden, ist sehr wichtig für das innere Schweigen, das die Öffnung auf Gott hin ermöglichen soll. Der Kartäuser will durch sein Schweigen ein leeres Gefäß sein, das er Gott hinhält, damit Seine Barmherzigkeit es mit dem Göttlichen Leben erfüllt. Der Kartäuserorden hat aber auch ein Apostolat: die Kirche hat ihm das Apostolat des Gebets aufgetragen und ihn zu diesem Zweck von jeder anderen Seelsorgstätigkeit befreit.[…]

Der eigentliche reguläre Aufenthaltsort des Kartäusers ist die Zelle, die er nur ungern verlässt, da seine Berufung im Alleinsein mit Gott besteht. Der Kartäuser verlässt seine Zelle an Wochentagen nur, um dreimal am Tag in der Kirche Gottesdienst zu feiern. Die Ordensstatuten betonen auch die Wichtigkeit einer sinnvollen Beschäftigung: Lesen, Schreiben, Psalmengesang, Beten, Betrachten, Beschauung und Handarbeit. Der Kartäusertag in der Zelle ist sehr abwechslungsreich: ein harmonischer Rhythmus von Gebet und Betrachtung, von Studium und Handarbeit wechseln sich ab: ora et labora. Der Kartäuser kennt keine Langeweile, im Gegenteil, der Tag ist ihm viel zu kurz.

Bruno schuf keine Ordensregel; für seine kleine Gruppe war das nicht notwendig. Auch als er von Papst Urban II. als Berater geholt wurde, war das nicht notwendig; die anderen wußten schon, was zu tun sei. Erst Jahre nach seinem Tod wurde doch eine Regel schriftlich festgehalten, und als sich der Orden weiter ausbreitete, war das natürlich auch eine Notwendigkeit. Die gültige Fassung kann man übrigens hier auf der offiziellen Website der Kartäuser nachlesen.

Heute gibt es etwa 450 Mönche und Nonnen in 24 Häusern, davon wegen des unrühmlichen Umgangs der Mächtigen mit den Glauben und den Klöstern keines in Österreich und nur eines in Deutschland, die Kartause Marienau. Allerdings haben die Kleinen Schwestern von Bethlehem, die von der Spiritualität der Kartäuser geleitet werden, in St. Veit im Pongau (Salzburg) und Neuenkirchen-Hertel (Niedersachsen) – mittlerweile in Waldkappel – in den letzten Jahrzehnten Niederlassungen gegründet – denn die Faszination für den Weg des hl. Bruno ist ungebrochen, wie auch der Film „Die große Stille“ deutlich gemacht hat.

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3 Gedanken zu “Der erste Kartäuser

  1. Pingback: Die Kartäuser sind Christus in die Wüste nachgefolgt « Aus dem Hollerbusch

  2. Kleiner Nachtrag bzw. Korrektur. Die Schwestern von Bethlehem haben zwar einen Start in Neuenkirchen-Hertel seit 1992 versucht, sind aber seit 2001 in Waldkappel – Wollstein in Hessen.

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