Hildegard von Bingen und Johannes von Avila: Zwei neue Kirchenlehrer


Am Sonntag wurden also die heilige Hildegard von Bingen und der heilige Johannes von Ávila durch Papst Benedikt XVI. zu Kirchenlehrern erhoben, eine Bezeichnung, die eigentlich uns gilt, nicht ihnen: Damit werden wir ermuntert, uns mit den Werken der Betroffenen auseinanderzusetzen, ihren Glaubensweg nachzugehen, ihre Lehre, sei sie mystischer oder strikt theologischer Art, kennenzulernen.

Die Entscheidung, gerade diese beiden Persönlichkeiten an den Beginn der Weltbischofssynode und damit des Jahres des Glaubens zu stellen, ist sehr interessant.

Pater Bernd Hagenkord stellt Johannes von Ávila (1499/1500-1569) auf seinem Blog kurz vor, und man lernt einen Mann kennen, der viele Anfeindungen auch aus der eigenen Kirche, erleben mußte, auch, weil er die Misstände anprangerte, und doch gleichzeitig unermüdlich den Menschen insbesondere Andalusiens den Glauben nähergebracht hat. Wegen seiner Abstammung – sein Vater war Konvertit – blieben ihm im damaligen Umfeld viele Möglichkeiten versperrt. Und doch ermöglichte er durch die Gründung von höheren Schulen vielleicht genau denjenigen Menschen eine Möglichkeit zur höheren Bildung, die von tiefen Vorurteilen gegen Menschen wie ihn geprägt waren.

Hildegard von Bingen (1098-1179) stellt sich uns heute als gläubige und kluge Gestalt dar, die Gelehrte, Klostergründerin, Beraterin höchster Herren war, Visionen empfing, die sie schließlich niederschrieb, die auf Reisen Gottes Wort verkündete. Wie der Osservatore Romano vermerkt: „Im 12. Jahrhundert spielte ihre weise und prophetische Gegenwart eine große und für eine Frau sicherlich bisher ungekannte Rolle.“ Weder sollte man Hildegard allerdings auf ihren Weg „als Frau“ reduzieren, noch auf die Hildegard der erst seit wenigen Jahrzehnten werbetechnisch als „Hildegard-Medizin“. Denn die Kirchenlehrerin hat in ihren Schriften Glauben und Ethik in einer Weise dargelegt, die schon zu Lebzeiten weithin bewundert wurden, in ihrem Leben eine wohl beispielhafte Balance aus Demut und notwendiger Durchsetzungskraft gelebt, in ihrer tiefen Mystik bis heute bleibende Wirkung.

Papst Benedikt XVI. faßte die Bedeutung der beiden auch im Lichte der Neuevangelisierung in seiner Predigt so zusammen:

Der heilige Johannes von Avila lebte im 16. Jahrhundert. Er verfügte über eine gründliche Kenntnis der Heiligen Schrift und war von einem brennenden missionarischen Geist erfüllt. In einzigartiger Tiefe vermochte er die Geheimnisse der von Christus für die Menschheit erwirkten Erlösung zu durchdringen. Als ein wahrer Gottesmann verband er das ständige Gebet mit der apostolischen Tätigkeit. Er widmete sich der Predigt sowie der Förderung der sakramentalen Praxis und konzentrierte seine Bemühungen auf die Verbesserung der Ausbildung der Priesteramtskandidaten, der Ordensleute und der Laien, im Hinblick auf eine fruchtbare Reform der Kirche.

Die heilige Hildegard von Bingen, eine bedeutende weibliche Gestalt des 12. Jahrhunderts, hat ihren wertvollen Beitrag zur Entwicklung der Kirche ihrer Zeit geleistet, indem sie ihre von Gott erhaltenen Gaben zur Geltung brachte, wobei sie sich als eine Frau von lebhafter Intelligenz, tiefer Sensibilität und anerkannter geistlicher Autorität erwies. Der Herr schenkte ihr einen prophetischen Geist und eine leidenschaftliche Fähigkeit, die Zeichen der Zeit zu unterscheiden. Hildegard besaß eine ausgeprägte Liebe zur Schöpfung und beschäftigte sich mit Medizin, Dichtung und Musik. Vor allem bewahrte sie immer eine große und treue Liebe zu Christus und seiner Kirche.

Zwei unermüdliche Verkünder des Wortes Gottes, treu zur Kirche, scharf in ihrer Kritik an Mißständen, aber demütig und von großer Liebe zu Christus getragen: Durchaus eine Programmansage für das Jahr des Glaubens, das uns Papst Benedikt XVI. da mitgibt.

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