Musterland Schweden


Schweden gilt in Österreich gemeinhin als das Musterland, nach dem es zu streben gilt. Nicht nur in Österreich, zugegeben. Dabei schwingt ein gehöriges Maß an Nostalgie mit, denn in heimischen Diskussionen wird dabei meist noch an das Schweden der Siebziger und Achtziger Jahre mit hohen Steuern und umfassendem Wohlfahrtsstaat gedacht.

Doch das nordische Land hat sich gewandelt, und gilt genau deswegen auch in anderen Ländern mittlerweile in einigen Bereichen als Vorbild. Auch die Finanz- und Wirtschaftkrise wurde von Schweden weitaus passabler gemeistert als von vielen anderen europäischen Ländern. Warum? Davon gibt ein Artikel des schwedischen Ökonomen Anders Åslund im konservativen Salisbury Review ein etwas tendenziöses, aber durchaus interessantes Bild. Ein Auszug:

The changes have been dramatic. While Sweden’s public expenditure has fallen by one-fifth of gross domestic product since 1993, between 2000 and 2009 Britain’s public expenditure skyrocketed by 15 per cent. This has brought Swedish and British public spending to a similar level, but Sweden’s is still steadily falling.

Der Kollaps des alten schwedischen Modells um 1990 hat zu neuen Wegen geführt, wie man soziale Sicherheit, Freiheit und Wohlstand verbinden kann, von freier Schulwahl bis zur flexiblen Pension, einfachen (wenn auch hohen) Steuern bis zu soliden Budgets. Ist in Schweden alles zum besten? Nein. Aber es zeigt, wie erfolgreich Reformen, die bisweilen den Beinamen „neoliberal“ enthalten, in den kleinen offenen Volkswirtschaften Europas sein können. Da ist Schweden übrigens nicht das einzige Beispiel. Der ganze Artikel ist jedenfalls sehr interessant.

Wer sich übrigens wundert, warum die Austeritätspolitik der baltischen Länder oder Schwedens so erfolgreich war, den kann ich auf einen anderen Artikel Åslunds verweisen. Es ist nebenbei sehr intuitiv: In kleinen Ländern rinnen hohe Staatsausgaben in hohem Maße aus, führen nur zu einem kleinen Teil zu Beschäftigungseffekten im Land selbst. Viel wichtiger ist es daher, das Land selbst wettbewerbsfähig zu halten, so daß die Arbeitsmärkte halbwegs geräumt werden können, und dazu trägt auch Vertrauen in die langfristige Stabilität des Landes bei. Allerdings braucht es komplementär dazu eine liberale Arbeitsmarkt- und Gewerbepolitik, so daß sich steigendes Vertrauen rasch in mehr Beschäftigung auswirken kann.

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Ein Gedanke zu “Musterland Schweden

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