500 Jahre Konzil (kein Schreibfehler)


Viel wird von der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils gesprochen, und als jüngstes in einer langen Reihe von Konzilen ist es natürlich noch am deutlichsten präsent, während die Beschlüsse früherer Konzile schon wie selbstverständlich Bestandteil der kirchlichen Überlieferung sind.

Vor 500 Jahren, am 3. Mai 1512, wurde ein anderes Konzil eröffnet: Das fünfte Laterankonzil. Es sollte in zwölf Sitzungen bis 16. März 1517 tagen und dabei auch einige Beschlüsse fassen, doch war bekanntlich bald ein weiteres Konzil nötig geworden, das Tridentinum.

Der Bedarf, die Disziplin in der Kirche wiederherzustellen, Auswüchse zu beseitigen und die Lehre in die Sprache der Zeit zu übersetzen, war vielen bewußt, und so versprach Papst Julius II. bei seiner Wahl 1503, binnen zwei Jahren ein Konzil einzuberufen. Doch kriegerische Auseinandersetzungen zuerst mit Venedig, dann mit Frankreich dominierten seine Amtszeit, und das Konzil wurde nicht einberufen. Ob aus Absicht oder ob tatsächlich keine Gelegenheit bestand, läßt sich wohl im Rückblick nicht mehr feststellen.

Der französische König Ludwig XII. nutzte dies nicht erfüllt Versprechen, um durch ihm verbundenen Kardinälen und anderen Bischöfen 1511 ein Scheinkonzil in Pisa beginnen zu lassen. Ihre Zahl war allerdings gering, und sie mussten ihren Tagungsort bald nach Mailand, dann nach Asti, schließlich nach Lyon verlegen, bevor es sich formlos auflöste.

Dahinter stand, in Nachfolge des Konzils von Konstanz, nicht nur Politik, sondern auch die Frage, wie das Verhältnis zwischen Konzil und Papst aussehe. Papst Julius II. reagiert entsprechend rasch darauf durch die Einberufung eines allgemeinen Konzils, das er mit einer Rechtfertigung verband, warum er bisher sein Versprechen der Einberufung nicht hatte erfüllen können. Diesem Aufruf folgten zahlreiche Kardinäle und Bischöfe, und auch der Kaiser, der ja bei Konstanz so eine große Rolle gespielt hatte, erkannte das Conciliabulum Pisae als unrechtmäßig und das Laterankonzil als allgemeines ökumenischen Konzil an.

Kurz vor dem Tod Papst Julius II. 1513 konnte das Konzil auf sein Betreiben ein scharfes Dokument gegen Simonie bei der Papstwahl beschließen. Wer, um zum Papst gewählt zu werden, Stimmenkauf durch Geld oder andere Versprechen betrieben hat, wird zusammen mit den Bestochenen automatisch exkommuniziert und seine Wahl ungültig. Diese Reform erwies sich als wertvoll, erfolgreich und angesichts der Geschehnisse etwa unter den Borgias als höchst notwendig.

Nach dem Tode Papst Julius’ II. wurde das Konzil von Papst Leo X. fortgeführt, und beschäftigte sich u.a. mit der Bekehrung der Hussiten, der Bestellung von Pfarrern und Äbten – für die ein Mindestalter vorgeschrieben wurde –, dem Leben der Ordensleute, der rechten Predigt, dem Buchdruck, gemeinnützigen Pfandleihern und anderen Fragen der Zeit. Die Autorität des Papstes zur alleinigen Einberufung von Konzilen wurde durch Konzilsbeschluß betont und das Gegenkonzil in Basel nach Verlegung des Basler Konzils nach Ferrara endgültig als ohne jede Autorität festgestellt. Schließlich wurde auch die Lage der Kirche in Frankreich erörtert, wo sich Papst und König auf die Aufhebung der Pragmatischen Sanktion des Königs und das Konkordat von Bologna verständigen konnten. Damit hatte sich der französischen König zwar weitgehende Sonderrechte gesichert, doch die gleichsam schismatische Situation des französischen Episkopats war beendet worden.

1517 endete das Konzil, nur wenige Monate vor Luthers 95 Thesen, und wird gerade deswegen häufig negativ beurteilt. Doch war es ein wichtiger Zwischenschritt, in dem man ganz offiziell mehrere Problemfelder einmal klar benannte, Misstände anprangerte und so wohl auch den Boden für das große Werk des Tridentums bereitete.

Die Dokumente des Konzils kann man u.a. hier nachlesen.

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