Syrien: Entsetzliches Leid, schwierige Antwort


Sollten die USA oder europäische Staaten in den syrischen Bürgerkrieg eingreifen? Die Frage stellen sich viele Menschen schon seit Monaten, auch ich. Jetzt ist diese Frage wieder etwas mehr in den Fokus gerückt, denken doch sowohl US-Präsident Barack Obama als auch sein Herausforderer Mitt Romney über eine Bewaffnung der Aufständischen nach.

Benjamin Hall, Reporter für die New York Times, war in Syrien und hat mit den Rebellen Kontakt aufgenommen. Seinen Bericht über die Erlebnisse unter den „Scharfschützen von Aleppo“ kann man hier nachlesen.

Glaubt man seinem Bericht, der sich mit anderen deckt, so hat sich wenig daran geändert, daß die „Freie Syrische Armee“ mehr ein Hirngespinst als eine Realität ist. vielmehr kämpfen die unterschiedlichsten Gruppen aus den unterschiedlichsten Motiven, und mißtrauen sich daher gegenseitig. Unter den Kämpfern sind viele Salafisten, die von Saudi-Arabien und Katar finanziell unterstüzt werden, und, wie Hall schreibt, Amerikas Unterstützung fordern und Amerikas Untergang herbeisehnen.

Die Waffen, die man an die libyischen Rebellen verteilte, haben ihren Weg in viele Länder der Region gefunden, wo sie von diversen militanten Gruppen verwendet werden. Es wäre in Syrien nicht anders: Will man Flugabwehrraketen an Personen liefern, die bald danach mit diesen Raketen die Flugzeuge der Lieferanten abschießen? Oder sonst diese Waffen an terroristische Gruppen weiterverkaufen?

Der bekannte Journalist David Ignatius befürwortet die Waffenverteilung grundsätzlich, weil er denkt, daß man die Weitergabe an Salafisten verhindern könne und Saudi-Arabien etc. eher als Verbündete der USA in diesem Kampf sieht. Interessant ist seine Schilderung der Finanzierungsmethoden der Saudis:

Syrian jihadist battalions continue to raise their own money directly from wealthy Saudis, Kuwaitis and Qataris. The report to the State Department explains how this works. “The battalion rep or commander travels to Turkey, where he meets Gulf individuals or Syrians who live in the Gulf. The battalion presents ‘projects’ that need sponsorship, for example: targeting a checkpoint costs $20-30K, while targeting an airport cost $200-300K. … A video taping … is required to provide evidence of the operation.”

Ob man jetzt eher Hall oder Ignatius folgt: Das menschliche Leid in Syrien ist entsetzlich; und doch ist es unendlich schwer, einen Weg zu finden, wie man es beenden kann, ohne anderes großes Leid heraufzubeschwören.

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Ein Gedanke zu “Syrien: Entsetzliches Leid, schwierige Antwort

  1. Genau das ist das Problem, man kann nicht absehen, was danach kommt. Unterstützen die USA die Salafisten kann es passieren, dass es endet wie in Afghanistan, nachdem die USA die Mujahedin untersützt haben. Es wäre nicht das erste Mal, dass US-Hilfe letztlich gegen die USA eingesetzt wird. Es muss wirklich gewährleistet werden, dass von Anfang an klargestellt wird, an welche Bedingungen (zB unveränderliche Rechte für die christliche Bevölkerung) Hilfe gebunden wird, und das muss vertraglich geregelt werden. Einfach mal blind alle Rebellen unterstützten wäre ziemlich dumm. Man weiß sonst nie, wie der Bürgerkrieg endet und ob das Ergebnis nicht schlechter ist als das Assad-Regime….wie es Revolutionen ja oft bzw meistens an sich haben. Und am Ende gibts dann wieder ein schreckliches Regime und die USA dürfen sich wieder anhören, dass sie immer die Unterdrücker unterstützen.
    Also kurz und bündig: Hilfe ja, aber an strenge Bedingungen geknüpft. Noch einen Taliban-Staat braucht die Welt wirklich nicht!

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