USA: Zwei Wochen bis zur Entscheidung


Das ist ein merkwürdiger Kontrast.

In der FAZ erklärt Hans-Ulrich Gumbrecht, warum Barack Obama die US-Präsidentschaftswahlen sicher gewinnen wird: Er spiegle die Apathie, pessimistische Sicht der Zukunft wieder, die die US-Gesellschaft erfaßt habe; gleichzeitig denke man sich, es hätte noch schlimmer kommen können. Daher sei der jetzige, visionslose und lethargische Obama der programmierte Sieger:

Barack Obama jedenfalls ist der Präsident der neuen kollektiven Verstimmung geworden, was seine Wiederwahl wahrscheinlich befördern wird, so sehr uns auch die gelegentliche Apathie von heute den charismatischen Obama von 2008 vermissen lässt. Gerade in dieser Hinsicht ist er der amerikanischen Gesellschaft ähnlicher, als es seine früher so zahlreichen europäischen Bewunderer wahrhaben wollen.

Im Washington Examiner schreibt Conn Caroll, warum Mitt Romney die US-Präsidentschaftswahlen sicher gewinnen wird: Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise sei ein Kandidat mit Wirtschaftskompetenz das wichtigste. Romney hätten die Wähler wohl zuerst mißtraut, doch die Debatten hätten ihn als seriösen Kandidaten gezeigt, der über Pläne verfüge, wie er die Zukunft gestalten wolle:

If you are unhappy with the current state of the economy, and gridlock in Washington, Romney is „change“ vote in this election.

Die Umfragen zeigen ein uneinheitliches Bild. In der Sieben-Tages-Umfrage von Gallup führt Romney derzeit deutlich, im RealClearPolitics-Mittel verschiedener Umfragen liegt dagegen Obama mit 0,2% vorne. In zwei Wochen werden wir mehr wissen. Aber die beiden Kommentare zeigen meines Erachtens sehr schön, wovon diese Wahl entschieden wird, wie sich auch in den Wahlkampfstrategien zeigt.

Obama bietet kein Programm für seine zweite Amtszeit, verweist auch nicht auf Erfolge seiner ersten (was mich schon verwundert), sondern wirbt damit, daß es bei einem Wahlsieg Romneys viel schlimmer kommen wird. Romney wirbt damit, daß es nicht viel schlechter hätte kommen können, man es daher mit ihm versuchen solle, er hätte einen Plan zur Ankurbelung der Wirtschaft. Welche der beiden Erzählungen die Oberhand behält, wird der Wahlabend weisen.

Beim Senat deutet übrigens alles eher darauf hin, daß die Demokraten gemeinsam mit Unabhängigen die Mehrheit behalten werden, und im Repräsentantenhaus ist die Mehrheit der Republikaner gut abgesichert. Hält das, so denke ich persönlich, daß eine Präsidentschaft Romneys produktiver wäre, da er in Massachussetts bereits gezeigt hat, daß er kompromißbereit genug ist, um mit den Demokraten im Senat Ergebnisse zu erzielen. Obama war bekanntlich nicht einmal in der Zeit, als die Demokraten beide Kammern im Kongress kontrolliert haben und sogar jede Redeobstruktion im Senat verhindern konnten, mit der Durchsetzung großer legislativer Projekte sonderlich erfolgreich, mit Ausnahme der Gesundheitsreform.

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