Der verhaltensoriginellste Senatskandidat der USA


Es ist eine typisch journalistische Übertreibung – und doch trifft es nicht ganz daneben: Die Washington Post hat den „schlechtesten Kandidaten“ des Jahres 2012 im Visier. Besser gesagt: Den Kandidaten für eine wesentliche Funktion, der aus seinen Voraussetzungen besonders wenig gemacht hat.

Mark Clayton kandidiert für die Demokraten im Bundesstaat Tennessee für den US-Senat gegen Amtsinhaber Bob Corker, der 2006 den Sitz nur knapp erobert hatte. Doch 2012 haben die Demokraten keinen bekannten Namen für die Vorwahlen anzubieten gehabt, maximal eine Darstellerin einer lange abgesetzten TV-Sitcom, und so war es wohl mehr Zufall, welcher der Kandidaten schlußendlich gewinnen würde. Das war dann eben Mark Clayton, ein 36jähriger Aktivist, der eher der gesellschaftpolitisch konservativeren Seite der Demokraten entstammt. Anscheinend hat er auch eine Vorliebe für Verschwörungstheorien, doch die haben ja in den USA auch prominentere Personen, wie Obamas früherer Beauftragter für Green Jobs, Van Jones, der als 9/11-„Truther“ bekannt ist, oder Donald Trump, der als „Birther“ für Aufmerksamkeit sorgte.

Interessanterweise hat die gleiche Landespartei, die keine vernünftige Vorwahl organisieren konnte, nach Bekanntwerden des Ergebnisses dem Kandidaten die Unterstützung versagt, weil er einer „hate group“ angehören würde. Ob das stimmt, kann man aus der Entfernung nicht beurteilen. Die Klassifikation selbst stammt vom „Southern Poverty Law Centre“, das allerdings selbst einer intoleranten „hate group“ recht nahekommt.

Und wenn er wirklich so schlimm ist – warum hat man die Wähler nicht vorher informiert? Das US-System ist im Grunde simpel: Wer die Vorwahlen einer Partei gewinnt, erhält zumindest am Papier ihre Unterstützung. Es ist schon etwas undemokratisch, das jemandem zu verweigern, wie seltsam und skurril er auch immer sein mag. Schließlich hat der Wähler gesprochen.

Der Kandidat selbst tut aber wenig dazu, daß seine Partei ihn unterstützen sollte. Er verzichtet auf jede Art der konventionellen Wahlwerbung, so daß ihn natürlich kaum jemand kennt. Angeblich konzentriert er sich auf Facebook, wo ihn aber auch fast niemand kennt. Gefahr für den Amtsinhaber stellt das jedenfalls keine dar.

Und so hat Bob Corker völlig umsonst 14 Millionen für Wahlwerbung gesammelt, denn es gibt de facto niemanden, gegen den er antreten müsste. Die Demokraten haben dagegen in einem Jahr, in dem es um die Verteidigung der Senatsmehrheit geht, einen Sitz einfach so hergeschenkt, obwohl man bekanntlich nie wissen kann, ob nicht scheinbar uneinnehmbare Sitze durch überraschende Ereignisse doch noch ins Spiel kommen. Siehe Pennsylvania.

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