Allerheiligen: „Das Fest der Krönung Deiner Diener“


Das Hochfest von Allerheiligen hat eine lange Tradition. Ursprünglich ist es wohl als Fest der Märtyrer entstanden, die man nicht mit Namen kannte, für die es keinen Gedenktag gab oder derer man aus verschiedenen Gründen nicht gedenken konnte. Nach Martin von Tours, der als erster als Heiliger Verehrter gilt, der kein Martyrium litt, hat sich die Idee des Festes wohl ausgeweitet. Wann genau, entzieht sich meiner Kenntnis.

Bereits Ephräm der Syrer (* um 306, † 373) erwähnt Allerheiligen im sechsten seiner Carmina Nisibena, der nisibenischen Lieder, hier in einer lateinischen Übersetzung von Gustav Billeck:

Appropinquaverant uno die duo festa simul sicut unum, festum ascensionis tuae et festum athletarum tuorum, festum texturae coronae tuae et memoria coronationis servorum tuorum.

Es hatten sich an einem Tag zwei Feste gleichzeitig so wie eines genähert, das Fest Deiner Himmelfahrt und das Fest Deiner Wettkämpfer, das Fest des Flechtens Deines Siegeskranzes und das Gedächtnis der Bekränzung (Krönung) Deiner Diener.

Das Bild des Wettkampfes und des Siegeskranzes bemüht ja schon Paulus im 2. Brief an Timotheus in der berühmten Stelle:

τὸν καλὸν ἀγῶνα ἠγώνισμαι, τὸν δρόμον τετέλεκα, τὴν πίστιν τετήρηκα·λοιπὸν ἀπόκειταί μοι ὁ τῆς δικαιοσύνης στέφανος, ὃν ἀποδώσει μοι ὁ κύριος ἐν ἐκείνῃ τῇ ἡμέρᾳ, ὁ δίκαιος κριτής, οὐ μόνον δὲ ἐμοὶ ἀλλὰ καὶ πᾶσι τοῖς ἠγαπηκόσι τὴν ἐπιφάνειαν αὐτοῦ.

Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten.

Aber: Allerheiligen bei Christi Himmelfahrt? Nicht weit weg von Pfingsten? Das ergibt freilich einen besonderen Sinn, denn das Fest von Allerheiligen schärft unseren Blick für die Vollendung, die auch uns verheißen wird. Der Aufstieg in den Himmel ist nicht bloß Christus vorbehalten; das Ausgießen des Heiligen Geistes gilt nicht allein den Aposteln. Wenn etwas heil ist, so ist es ganz, unversehrt. Vollendung, das ist Ganzsein, Unversehrtsein, „Heiligkeit“.

Johannes Chrysostomos (* 344/349, † 407) hat zum Fest aller Märtyrer, dem Vorläufer von Allerheiligen, gepredigt, und nimmt darin das Bild des Siegeskranzes ebenfalls in kraftvoller Sprache auf:

Ein Chor — doch richtiger würde ich sie einem Heer in Schlachtordnung vergleichen, das den Heerschaaren der Engel, die der Patriarch Jakob gesehen, in keiner Weise nachsteht, sondern wetteifernd zur Seite steht und vollständig gleichkommt. Denn Märtyrer und Engel unterscheiden sich nur dem Namen nach; die wesentlichsten Vorzüge sind ihnen gemeinsam. Die Engel bewohnen den Himmel, auch die Märtyrer; die Engel erfreuen sich der Unsterblichkeit und einer ewigen Jugend, ganz dasselbe wird auch den Märtyrern zuteil. Doch — die Engel sind ja überdies rein geistiger Natur! Nun, was liegt daran? Wenn die heiligen Martyrer auch mit einem Leibe umkleidet sind, so ist dieser Leib unsterblich. Und zudem, auch ehe der Zustand der Unsterblichkeit eintritt, ist der Tod Christi dem menschlichen Leibe eine schönere Zierde als selbst die Unsterblichkeit. So herrlich schmücken nicht den Himmel seine zahllosen Sterne, als den Leib der Märtyrer das strahlende Blut aus ihren Wunden. Es ist also eben der Tod, dem sie ihre Vorzüge verdanken, und wegen ihres Todes sogleich als Sieger gekrönt haben sie den Kampfeslohn schon vor der Verklärung des Leibes erhalten.

Die Menschen, so meint Chrysostomus weiter, sind den Worten des Psalmisten nach nur wenig geringer als die Engel. Doch durch Christi Opfer wird auch dieser Unterschied nun überwunden. Ein schöner und wichtiger Gedanke, der auch im Hochgebet immer wieder durchklingt, wenn wir uns mit den Chören der Engel zum Hochgesang der göttlichen Heiligkeit vereinen sollen. Schon jetzt aber können uns diejenigen, die schon mit den Engeln vereint sind, nicht nur Vorbild sein, sondern „Fürsinger“.

PS: Zur Geschichte des jetzigen Festtermines darf ich auf meinen gestrigen Beitrag verweisen.

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