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Allerseelen: Nicht unbedingt am 2. November, aber immer für die Verstorbenen


Das heutige Fest von Allerseelen (In Commemoratione Omnium Fidelium Defunctorum) geht bekanntlich auf den heiligen Odilo von Cluny (* 961/962, † 1049) zurück, der es für den Klosterverband von Cluny vorschrieb, um aller Verstorbenen in Anlehnung an das Allerheiligenfest zu gedenken. Vor zwei Jahren habe ich auf diesem Blog das Dekret des heiligen Odilo eingestellt, mit dem er das Fest eingesetzt hat. Er hat aber den Brauch, an einem bestimmten Tag des Jahres besonders für die Verstorbenen zu beten, natürlich nicht erfunden.

Widukind von Corvey berichtet etwa in seiner Sachsengeschichte im 12. Kapitel des 1. Buches von einem Gedenktag für die Toten am 1. Oktober, der ursprünglich als Erinnerung an den Sieg der Sachsen über die Thüringer entstanden sei und nun eine christliche Bedeutung habe:

Dieses ist aber alles geschehen, wie die Erinnerung der Älteren überliefert, am 1. Oktober, der als Tag des Irrtums durch Weisung frommer Männer verwandelt ist in Fasten und Gebete, auch Opfer für alle uns vorangegangene Christen.

Ein Totengedenken um den 1. Oktober ist auch aus anderen Quellen für Nordwestdeutschland bezeugt, in engem Zusammenhang mit der „gemeinen Woche“ nach Michaelis. Von Isidor von Sevilla ist – wieder für einen anderen Tag – ebenso ein solches Fest überliefert. Doch der cluniazensische Allerseelentag setzte sich schließlich durch, zuerst in Frankreich, dann in den Nachbarländern, und färbte wohl auch unser Verständnis von Allerheiligen.

So, wie wir festgestellt haben, daß der 1. November als allgemeiner Termin für Allerheiligen auf Kaiser Ludwig den Frommen und damit das Frankenreich des 9. Jahrhunderts zurückgeht, so geht also der 2. November für Allerseelen auf das Frankreich um das Jahr 1000 zurück.

Zu Allerseelen ist es auch möglich, einen vollkommenen Ablaß zu erwirken und einem Verstorbenen zuzuwenden. Dazu besucht man in der Zeit vom ersten bis zum achten November andächtig einen Friedhof und betet für die Verstorbenen, oder besucht am Allerseelentag (bzw. je nach Bistum auch den vorhergehenden bzw. folgenden Sonntag oder zu Allerheiligen) eine Kirche und betet dort das Vater Unser und das Glaubensbekenntnis. Weiters müssen die allgemeinen Voraussetzungen erfüllt sein: Die Ablegung der heiligen Beichte, die entschlossene Abkehr von jeder Sünde, der Empfang der heiligen Kommunion und ein Gebet auf Meinung des Heiligen Vaters, wobei ein Ave Maria und ein Vater unser jedenfalls genügen, aber auch andere Gebete möglich sind. Werden nicht alle Voraussetzungen vollkommen erfüllt, so kann ein Teilablaß vorliegen.

Ein teilweiser Ablaß für die Verstorbenen kann auch unter den üblichen Voraussetzungen durch das Werk eines andächtigen Besuchs am Friedhofs und des Gebets für die Verstorbenen erwirkt werden, oder des Gebets der Laudes bzw. Vesper vom Totenoffizium, oder des Gebets „Requiem aeternam“.

Da einer der Voraussetzungen für einen vollkommenen Ablaß die entschlossene Abkehr von jeder Sünde ist, was uns Menschen bekanntlich außerordentlich schwerfällt, wird ein Ablaß in der Regel ein Teilablaß sein.

Mehr über den Ablaß hier im Enchiridion Indulgentiarum.

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