Europa und Barack Obama


„Presse“-Journalist Franz Schellhorn bringt es auf den Punkt: Barack Obama wird in Europa geschätzt und geliebt, doch diese Zuneigung – in der sehr viel Projektion steckt – ist höchst einseitig. Als Beispiel sei nur seine deutliche Verachtung für die bis dahin mit den USA verbündeten Länder genannt. Der britische Premier Gordon Brown wurde besonders kalt empfangen, die Winston-Churchill-Büste demonstrativ aus dem Weißen Haus entfernt und als Geschenk erhielt der Premier 25 DVDs, die man in Großbritannien gar nicht abspielen konnte. Kleinigkeiten, aber symbolträchtig. Tschechien und Polen wurden im Stich gelassen, um die Beziehungen zu Rußland – erfolglos – neu in Gang zu bringen. Die EU als ganzes erhielt dafür ungefragt Ratschläge zur Wirtschaftspolitik, die u.a. von Wolfgang Schäuble scharf zurückgewiesen wurden und in dieser Form diplomatisch absolut unüblich und kontraproduktiv sind.

Natürlich hat Barack Obama mit seiner Behandlung der Europäer nicht ganz unrecht. Die EU ist weltpolitisch ein Papiertiger, unfähig, ihre wirtschaftliche Macht einzusetzen, militärisch ohnehin kraft- und wehrlos. Selbst für den Libyeneinsatz waren die Europäer auf US-Hilfe angewiesen. Die Zukunft der USA liegt sicher stärker im pazifischen Raum. Die entsprechende Strategie Obamas ist wohl korrekt, wenn sie auch bislang nicht sehr erfolgreich war. Nur bleibt die Frage umso mehr: Warum jemanden so verehren, der eigentlich nichts von einem hält?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s