Die USA – der bessere Klimaschützer?


Es gibt in Europa wohl kaum einen Politiker, der Klimaschutz nicht zu seinen Prioritäten zählt. Erneuerbare Energie wird allerorten gefördert – da das oft mit Zuschlägen zum Strompreis geschieht, vermehren sich übrigens die Fälle von Energiearmut. Ein Handelssystem für CO2-Zertifikate wurde geschaffen, Strafzahlungen für höheren CO2-Ausstoß eingeführt. Glühbirnen wurden verboten. Und doch: Europa hat trotz seiner zahlreichen Maßnahmen, die den Lebensstandard der Menschen spürbar beeinflussen, eine schlechtere Entwicklung der CO2-Konsumbilanz als die USA hingelegt. Schreibt zumindest Oxford-Professor Dieter Helm. Warum ist das so?

Seine Antwort ist einfach. Die EU und ihre Mitgliedstaaten handeln nach dem Kyoto-Protokoll, das nicht darauf abstellt, wieviel Kohlendioxid auf den Konsum eines Landes zurückzuführen ist, sondern auf die Produktion. Die Reaktion war daher vielerorts, entsprechende Fabriken in Drittländer zu verlagern. Eine Entindustrialisierung, die Arbeitsplätze gekostet, aber am Gesamtausstoß nichts geändert hat. Schließlich sorgt der Ausstieg Deutschlands etc. aus der Atomenergie für zusätzliches Kohlendioxid – irgendwo muß der Strom herkommen, und angesichts steigender Gaspreise steigt jetzt der Anteil der Kohle am europäischen Strommix.

Die USA haben zwar auch eine Klimaschutzpolitik, doch mit deutlich weniger Ressourcen als in Europa. Ja, erneuerbare Energien werden gefördert (ähem … Solyndra-Skandal …).  Ja, es gibt vermehrte Vorschriften zu Energiestandards. Doch der eigentliche Punkt ist ein anderer: Die USA bewegen sich weg von Kohle hin zu Gas, seit die Schiefergasvorkommen ökonomisch ausgebeutet werden können. Wohl nur eine Zwischenlösung, aber eine, die wertvolle Zeit verschafft, bis der Übergang zur alternativen Energien tatsächlich möglich sein könnte, ohne weite Teile der Bevölkerung in Armut zu stürzen. Dadurch wird Gas in den USA billiger, während es in Europa, das hauptsächlich von russischem Gas abhängig ist, teuerer wird.

Wie könnten Europa (und andere Länder) den Kohlendioxidausstoß tatsächlich senken? Helm plädiert für eine Kohlendioxid-Steuer. Da braucht man keine Zertifikate, die letztlich diejenigen begünstigen, die vor Einführung des Systems CO2 im großen Stil erzeugt haben, und außerdem höchst betrugsanfällig sind. Und Kohlendioxid wird dann vor allem dort ausgestoßen, wo es uns das einfach wert ist. Ähnliches schlägt ja der US-Ökonom und Romney-Berater Gregory Mankiw seit vielen Jahren vor. Kommen wird es allerdings nicht so bald – denn gerade die Gestaltungsmöglichkeiten und die entstandende Macht bei den Kohlendioxid-Zertifikaten sind für Bürokratien und Politik äußerst verlockend.

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