Reding, die Frauenquote und Klientelpolitik


Nun hat also EU-Kommissarin Viviane Reding ihr Lieblingsprojekt einer „Frauenquote“ in Aufsichtsräten ein Stück weiter gebracht. Dem Vernehmen nach nutzte sie eine Sitzung, bei der Kritiker ihres Vorstoßes wie Lady Catherine Ashton nicht anwesend waren. Und natürlich finden sich jetzt zahlreiche Kommentare, wie wichtig das ist, damit Frauen endlich vermehrt zum Zuge kommen würden. Wobei auch der Fall denkbar wäre, daß es Männern nutzt, sollte ein Aufsichtsrat jetzt überwiegend weiblich sein.

Aufsichtsräte sind jedoch eigentlich die Vertreter der Eigentümer eines Unternehmens. In manchen Unternehmen ist es auch tatsächlich der Eigentümer, der im Aufsichtsrat vertreten ist. Diese Logik wird durchbrochen; der Eigentümer hat nicht mehr das Recht, seine Interessen von demjenigen vertreten zu lassen, den er am besten geeignet hält, und wenn z.B. alle Eigentümer einem Geschlecht angehören, so müssen einige darauf verzichten, selbst die Kontrolle über ihr Unternehmen auszuführen. Stattdessen wird fingiert, die Aufsichtsräte müssten in irgendeiner Form die Gesellschaft widerspiegeln. Dann sind freilich nicht bloß Quoten nach Geschlecht, sondern auch nach anderen Dimensionen (Ethnizität, Religion, Alter …) denkbar. Klingt jetzt vielleicht absurd, ist es aber nicht. In den USA sind informelle Anteilsziele für gewisse als „Rasse“ konstruierte Gruppen im Rahmen der „Affirmative Action“ durchaus üblich.

Warum gerade Aufsichtsräte und nicht z.B. Vorstände? Nun, im Grunde handelt es sich bei den Quoten für Aufsichtsräte um Klientelpolitik für ohnehin privilegierte Personen: In der Regel Frauen, die in der Politik und politiknahen Netzwerken nach oben gekommen sind oder ohnehin immer schon oben waren, und nun ebenfalls etwas vom Kuchen der lukrativen Aufsichtsratsposten mitnaschen wollen. Ein verständliches Anliegen. Mit einer verpflichtenden Quote, so daß Kalkül, wären sie kaum noch zu umgehen. Nach der Logik gemeinsamen Handelns kann diese kleine Gruppe großen Druck machen. Die Vorteile sind auf wenige Personen konzentriert, die Nachteile, die im Falle Norwegens bereits evident sind, verteilen sich auf viele, so daß der Widerstand geringer ausfällt. Bei Vorständen, die unmittelbar den Erfolg des Unternehmens beeinflußen, wäre der Widerstand wohl hartnäckiger. Die behaupteten „Trickle-Down“-Effekte haben sich in Norwegen übrigens nicht eingestellt; die Vorstandsetagen und darunter liegende Führungsebene sind durch die neue Regelung nicht weiblicher geworden. Das spielt aber auch keine Rolle; die blumige Rhetorik bringt Verbündete, die sich dann ebenfalls für die Quote einsetzen; sie ist aber nur Nebensache.

Jeder Quote wohnt außerdem das Denken inne, daß es nicht auf Gerechtigkeit ankommt, sondern auf statistische Gleichheit. Das wird mit Worten verbrämt wie „equality of outcome“, der Ergebnisgleichheit. Doch eine Statistik sagt nicht über die zu Grunde liegenden Ursachen und Prozesse aus, nichts darüber, ob den beteiligten Personen Gerechtigkeit widerfahren ist. Stattdessen wird eine Art „kollektive Gerechtigkeit“ propagiert, die auch dann erfüllt ist, wenn jeder einzelne ungerecht behandelt worden ist, solange sie sich an kollektiven Maßzahlen ablesen läßt.

Insgesamt ein zutiefst illiberaler Ansatz, bei der wieder einmal einzelne mit Staatsgewalt die Freiheit anderer einschränken, und dabei durch wolkige Worte den Eindruck vermitteln wollen, gute Absichten damit zu verfolgen. Kein guter Ansatz aber für unsere Zukunft in Europa – nicht der einzelne Beschluß, sondern der Geist, der ihn hervorgebracht hat.

PS: Hier Andreas Unterberger zur Quote.

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