Andrew Brown zu Religion und Wissenschaft


Was ist eigentlich „Religion“? Das ist auf den ersten Blick eine seltsame Frage; jeder hat so seine Vorstellung, was damit gemeint ist. Im Lexikon gibt es natürlich eine Definition des Wortes. Und so weiter. Doch, so erzählt Andrew Brown im „Guardian“, täuscht das darüber hinweg, daß in Fachkreisen zahlreiche verschiedene Definitionen von Religion herumschwirren. Beschreibt man das Phänomen mehr an Hand seiner Funktionen? Kann man ein inneres Wesen der Religion festmachen? Manchmal stellen wir fest, daß für einige Fußballfans die Identifikation mit ihrer Mannschaft religiöse Züge annimmt. Kann auch Wissenschaft religiöse Züge annehmen? Was meinen wir damit?

Andrew Brown versucht in seiner Kolumne ein Kriterium aufzustellen, wie er Religion und Wissenschaft auseinanderhält:

Let’s imagine that some future alien archaeologist, poking around in the remains of the Earth, comes across the pyramids and also the great circular tunnel, stripped of its machinery, which once contained the Large Hadron Collider outside Geneva. Unless alien archaeology really is unimaginably alien, both of these giant structures, whose purpose is not immediately obvious, will at once be labelled “ritual structures”. They were both feats of engineering, which required huge co-ordinated efforts, inspired by a belief in some non-material, transcendent good. In both cases, the people served a priesthood whose knowledge they had to take on faith. So, is there any test that lets us say that the one enterprise is “scientific”, and the other “religious”? It seems to me that there is one.

If you were to work out the purposes of the two structures and try to build working models, the LHC tunnel would produce the same results in the alien future as it does now. The same experiments would produce the same evidence of the Higgs boson. The pyramids could not work like that. We could rebuild a pyramid, stock it with grave goods, and entomb some deserving, eviscerated and mummified world leader inside it. But at the end of these operations we still wouldn’t know what Egyptians believed, or how. We certainly wouldn’t know that the world leader had passed into the afterlife. If we did – if ritual actions had predictable, if inexplicable, results – that wouldn’t be religion, but magic.

Der Optimismus Browns bezüglich des Large Hadron Collider ist reichlich übertrieben. Später stellt er etwa für Stonehenge fest, daß die enormen Ressourcen, die für diesen Steinkreis zur Bestimmung der Sommersonnenwende notwendig waren, auf ihren besonderen Zweck schließen lassen. Doch das gleiche läßt sich wohl für den LHC sagen, dessen Aufwand sich rein rational kaum rechtfertigen läßt. Aber er deutet auf einen wichtigen Punkt: Mythen, sinnstiftende Erzählungen, gemeinsame Rituale, gemeinsame Hoffnungen, Ideen über die Ordnung des Seins, das alles gibt es nicht nur in den bekannten Religionsgemeinschaften. Die Funktion der Religion wird auf verschiedene Weise erfüllt. Ich würde soweit gehen und in Abwandlung Paul Watzlawicks sagen: Man kann nicht nicht religiös sein.

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