Elisabeth von Thüringen und ein altes Volkslied


Am 19. November ist der Begräbnis- und Gedenktag der heiligen Elisabeth von Thüringen (*1207, † 1231) – eine Frau, deren kurzes Leben eine lange Nachwirkung bis in unsere Zeit hat. In nur 24 Jahren mußte sie weit weg in ein anderes Land, sah ihren Verlobten und dessen Vater sterben, bevor sie mit vierzehn mit dem Bruder ihres ursprünglichen Verlobten verheiratet wurde. Mit 20 war sie dreifache Mutter und Witwe, von ihrer Familie praktisch verstoßen, so daß Papst Gregor IX. sie schließlich unter apostolischen Schutz stellte, um ihre Rechte zu bewahren. Sie folgte Christus nach, war bereitwillige Dienerin, opferte sich für die Kranken auf. Mit 24 war sie bereits ausgezehrt, am Ende ihrer Kräfte, und starb nach zweiwöchiger Krankheit.

Elisabeth war schon kurz nach ihrem Tod eine weithin populäre Heilige; so ist es kein Wunder, daß es etliche Lieder gibt, in denen es um die aufopfernde Heilige geht. So dieses Lied, daß Johannes Brahms mit einen Klaviersatz versah:

Die heilige Elisabeth
an ihrem Hochzeitsfeste
verließ den stolzen Fürstensaal,
verließ heimlich die Gäste,
Ging in den dunkeln Wald hinaus,
wo eine heilge Kapell erbaut,
der Mutter Gottes zu dienen!

O Mutter Gottes, welches Leid,
ich muß jetzt von dir scheiden!
Die letzten Blumen bring ich heut,
fort muß ich, ich muß meiden
jetzt deinen heilgen Gnadenort
Muß weithin in die Fremde fort.
Ade du Heilandsmutter!

Du Bild, so heilig, gnadenreich,
mein Aug steht voller Zähren,
daß ich jetzund dich nicht mehr schau,
das will mich schier verzehren;
leb wohl, leb wohl, du Mutter mein,
mit deinem lieben Kindelein!
Ade, zu tausendmalen!

Sie betet, flehet also lang
und will darob nicht beben,
daß sich ein scharfes blankes Schwert
jetzt über ihr erhebet;
in reiner Gnade schwebt ihr Blick,
und achtet nicht des Räubers Tück,
der sie da will ermorden!

Als der Räuber diesen Blick vernahm,
und schaut die heilge Frauen,
schwere Reue ihn da überkam,
sein Herz beginnt zu grauen.
Legt ab sein Schwert und seinen Spieß,
auf seine Knie sich niederließ,
wagt dann sie anzublicken.

Um dich sind Gottes Engel rings,
den Lockenschmuck zu schützen,
ich muß mein Leben lang dies Knie ,
O Fraue, vor dir beugen,
O Tugendreiche, bet für mich,
daß Gott der Herr erbarmet sich
und mich in Gnaden segnet.

Leider habe ich keine Aufnahme davon gefunden, die sich hier verlinken ließe, aber es ist auch so eine charmante kleine Geschichte, die dieser Text erzählt. Sie vermittelt einen gewissen Eindruck von der eindrucksvollen Persönlichkeit Elisabeths, um die sich solche Geschichten ranken konnten.

 

 

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Ein Gedanke zu “Elisabeth von Thüringen und ein altes Volkslied

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