Zum 100. Geburtstag Otto von Habsburgs


Dieser Tage, genauer am 20. November, wäre Otto von Habsburg 100 Jahre alt geworden. Ein Jahrhundertmensch war er trotzdem, der es noch erleben durfte, daß die Wunden wieder zu heilen begannen, die Nationalismus und Totalitarismus in Europa geschlagen hatten. Und der an dieser Heilung selbst wesentlichen Anteil hatte, der er sich unermüdlich für ein friedliches und freies Europa eingesetzt hatte.

Bayern Alpha hat bereits am 17. November zwei interessante Sendungen dazu ausgestrahlt, wie sie im österreichischen Fernsehen nie möglich gewesen wären: „Ottos Jahrhundert“ und „Die letzte Reise eines Habsburgers“. Die eine Sendung eine geraffte Biographie, die vor allem das Wirken des Europäers beleuchtet, die andere eine einfühlsame Begleitung der Trauerfeierlichkeiten von Pöcking bis Wien.

Dabei fiel ein denkwürdiger Satz, der die Zwiespältigkeit des heutigen Österreichs besser als alles andere darstellt. Sinngemäß bemerkte ein Beobachter: In Österreich sei offiziell nur „Otto Habsburg“ bei den Trauerfeierlichkeiten zu lesen gewesen; in München hatte man ihm da mehr Respekt gezollt. Umgekehrt hatte man in Wien nicht nur die Volkshymne „Gott erhalte“ gespielt, sondern es konnte auch fast jeder mitsingen. Diese Haßliebe und Doppelzüngigkeit ist tatsächlich in Österreich weit verbreitet.

In anderen Ländern gedachte man des langjährigen Vorsitzenden der Paneuropa-Bewegung, des Mahners im Europäischen Parlament, die Völker hinter dem Eisernen Vorhang nicht zu vergessen. Man dachte an den Protektor des legendären Paneuropa-Picknicks 1989, das die Massenflucht von DDR-Bürgern über Ungarn einleitete. Man dachte an den Fürsprecher für die Länder Mittel- und Osteuropas, in die Europäische Familie aufgenommen zu werden. Man dachte vielleicht auch an den Mann, der im Zweiten Weltkrieg in entschiedener Opposition zu Hitler stand und in den USA versuchte, Exilgruppen zu sammlen und koordinieren. In Österreich dachte man großteils entweder wehmütig an die Kaiserzeit, oder erging sich in haßerfülltem Habsburg-Kannibalismus.

Zum Nachschauen will ich auf die Mediathek des Bayerischen Rundfunks verweisen. Auf Youtube gibt es momentan die Dokumentation in drei Teile á 15 Minuten aufgeteilt zu sehen, hier den ersten Teil, dann den zweiten Teil und schließlich hier den dritten Teil.

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Ein Gedanke zu “Zum 100. Geburtstag Otto von Habsburgs

  1. Seine kaiserliche Hoheit ruhe in Frieden! Er war vielleicht der größte Habsburger und auch der, dem am schlimmsten Unrecht getan wurde. Ein großer Mann, ein großer Österreicher, ein großer Europäer und Weltbürger!
    Alles Gute zum 100. Geburtstag!

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