Stephanie Merckens triffts ins Schwarze, Michael Pammesberger nicht.


Die Ausreden zur Verteidigung der Sexualbroschüre für Volksschüler, die das Unterrichtsministeriums beauftragt hat, werden auch nicht besser, wenn die Journalisten davon schreiben, daß es sich bei den Autoren der zweifelhaften Broschüre um „Experten“ gehandelt haben soll. Wenn man das Werk liest, hat man eher den gegenteiligen Eindruck. Wer sich ein wenig mit Anthropologie und Psychologie beschäftigt hat, wird den unwissenschaftlichen Ausführungen der Autoren und der unreflektierten Präsentation nur wenig abgewinnen können. Und anscheinend haben sie auch wenig Ahnung von den letztendlichen Adressaten des Werks, nämlich den Volksschülern. Die Behauptung, Sechsjährige würden am Schulhof über Intersexualität plaudern, kann höchstens für Personen glaubwürdig sein, die mit Kindern absolut nichts zu tun haben.

Stephanie Merckens, bekannte Juristin, Mitglied der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt und dreifache Mutter, bringt in einem Kommentar im Standard die Sache auf den Punkt:

[… I]n unseren Schulen [werden] Kinder mit Halbinformationen indoktriniert und – zum überwiegenden Teil in Österreich verbotene – Minderheitenprogramme zur Norm erhoben. Eine seriöse Debatte über ethisch sensible Fragen, ein tatsächlich toleranter Umgang mit Meinungsvielfalt oder gar ein Respekt vor der geltenden Rechtslage, ganz zu schweigen vor dem kindlichen Sensibilitäts- und Orientierungsbedürfnis, sehen anders aus. Umstände, die mich angesichts der Debatte um Ganztagsschule und verpflichtenden Ethikunterricht gerade als berufstätige Mutter von Volksschülern sehr betroffen machen.

Ganz daneben trifft diesmal dafür Michael Pammesberger im Kurier, der in seiner Karikatur übersieht, daß es Unterrichtsministerin Claudia Schmied ist, die vorgeben will, wie sich Kinder in Fragen der Sexualität verhalten sollen, was sie für richtig und falsch (insbesondere Familie aus Vater, Mutter und Nachwuchs) halten sollen. Die Intoleranz ist hier bei jenen zu Hause, die Toleranz heucheln.

Übrigens: Laut Standard überlegt SPÖ-Chef Werner Faymann, nach der Bundesheer-Volksbefragung Norbert Darabos und Claudia Schmied als Minister auszuwechseln, letztere, weil sie ihr Ressort „nicht unbedingt mit einem glücklichen Händchen“ betreut. Allerdings haben schon viele Minister Ablösegerüchte überlebt.

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3 Gedanken zu “Stephanie Merckens triffts ins Schwarze, Michael Pammesberger nicht.

  1. Pingback: Trauerspiel Umerziehung, 2. Akt « Zeitfragen

  2. Wenn Sechsjährige überhaupt auf dem Schulhof über Sexualität plaudern, dann garantiert nicht über die Intersexualität. Ich denke, dass eine Aufklärung darüber zwar sehr sinnvoll ist, aber solch detaillierte Aussagen für Sechsjährige zu empfehlen, ist meiner Meinung nach zu früh. Man muss den richtigen Zeitpunkt dafür erfassen, wie es Harri Wettstein mit seiner Sexualaufklärung macht.

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