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Zu Mariä Empfängnis: „Jungfrau war sie auch dem Geiste nach“


Das Hochfest Mariä Empfängnis rückt wenige Wochen vor Weihnachten die Rolle Mariens in den Mittelpunkt, die ohne Erbsünde empfangen ist und so ein würdiger Tempel des Herrn sein konnte. Das ändert freilich nichts daran, daß auch sie nicht aus eigenem Verdienst, sondern durch Jesus Christus erlöst ist.

Das Fest wurde erst spät in der Westkirche üblich, obwohl es schon im 9. Jahrhundert aus der Ostkirche nach Süditalien kam. Doch es sollte über den Umweg Englands bis 1476 dauern, daß es allgemein festgesetzt wurde. In Österreich hat es mit dem Festtag eine besondere Bewandtnis, da es sowohl an die Befreiung von der Türkengefahr 1683 als auch an die Wiedererlangung der Freiheit 1955 erinnert.

Der hl. Ambrosius von Mailand (*339 †397) hat die besondere Rolle Mariens mehrfach hervorgehoben, so in seiner Schrift „Über die Jungfrauen“, die er an seine Schwester, die hl. Marcellina, adressiert hat.

Dort heißt es (deutsch dank der Bibliothek der Kirchenväter):

Was überträfe an Würde die Gottesmutter? Was an Glanz jene, die der Abglanz [des Vaters] erwählte? Was an Keuschheit jene, die ohne leibliche Berührung einen Leib gebar? Was soll ich denn von ihren sonstigen Tugenden sprechen? Jungfrau war sie nicht bloß dem Leibe, sondern auch dem Geiste nach: kein verhohlenes Buhlen, mit dem sie die Reinheit der Gesinnung verletzte. […]

So achtete Maria auf alles, als ließe sie sich von vielen mahnen; so erfüllte sie alle Tugendpflichten, daß sie nicht sowohl Schülerin denn Lehrerin war. So hat der Evangelist sie gezeichnet, so hat der Engel sie angetroffen, so hat der Heilige Geist sie erwählt. Was soll ich bei Einzelheiten stehen bleiben? Daß die Eltern sie lieb hatten, Außenstehende voll des Lobes über sie waren? War sie doch würdig, daß Gottes Sohn aus ihr geboren wurde. […]

Als dann so viele Zeichen sich folgten, als die Kinderlose gebar, die Jungfrau empfing, der Stumme redete, der Magier anbetete, Symeon [den Trost Israels] erwartete, die Sterne [ihn] verkündeten: „bewahrte“, so heißt es, „Maria“, trotz dem Wunderbaren die Ruhe nicht verlierend, „dies alles in ihrem Herzen“. Obschon Mutter des Herrn, oblag sie gleichwohl voll Verlangen der Erfüllung der Gebote des Herrn; obschon Gottesgebärerin, trachtete sie gleichwohl sehnlich nach Gotteserkenntnis. […]

Welch glänzender Triumphzug daselbst! Wie endloser Jubel jauchzender Engel, weil sie, die schon in der Welt ein himmlisches Leben lebte, nun der Wohnstätte im Himmel gewürdigt wird! […]

Doch Maria ist für ihn nicht bloß Vorbild der Jungfrauen, sondern der ganzen Kirche, wie er in seinem Lukaskommentar erzählt:

Wir haben den Wortlaut der Wahrheit [Jungfrau und Vermählte] vernommen, wir haben den beabsichtigten Zweck derselben vernommen: nun laßt uns den mystischen Sinn derselben vernehmen! Mit gutem Grund ist Maria eine Vermählte, zugleich aber auch Jungfrau; denn sie ist Vorbild der Kirche, die makellos ist, aber auch Braut. Als Jungfrau hat diese uns vom Geiste empfangen, als Jungfrau gebiert sie uns ohne Schmerzenslaut. Und vielleicht war die heilige Maria deshalb einem anderen verlobt, von einem anderen [mit der Leibesfrucht] erfüllt, weil auch die einzelnen Kirchen vom Geiste und von der Gnade erfüllt werden, gleichwohl aber äußerlich einem sterblichen Priester angetraut sind.

Freilich warnt Ambrosius in einer Argumentation, warum der Heilige Geist verehrt werden solle, davor, daß Maria zwar der Tempel des Herrn sei, man aber nicht den Tempel, sondern den, der im Tempel gearbeitet habe, verehren solle. (De sancto spirito, III, 80)

So sehen wir, daß Maria schon lange einen Ehrenplatz in der Kirche einnimmt. Das läßt sich sogar bis ins 2. Jahrhundert, zu Justin dem Märtyrer, zurückverfolgen, doch dazu ein andermal.

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