Ein Freudenfeuer der Gerechtigkeit


Am dritten Adventsonntag wird der Bericht vom Auftreten Johannes des Täufers fortgesetzt. Das mag verwirrend sein, wenn man bei Weihnachten nur das engere Geschehen, die Geburt Christi, im Auge hat. Doch gerade diese Perikope erinnert uns daran, warum Jesus Christus auf die Welt gekommen ist und warum wir diese Menschwerdung Gottes feiern. Johannes ermahnt das Volk, erinnert die Menschen an ihre Sünden, ruft sie zur Umkehr auf. Und er verwendet dabei deutliche Worte. Kurz vor der Stelle vom Sonntag verwendet er das Bild von der Axt, die schon an die Bäume angelegt ist, die keine Frucht bringen.  In der von Josef Kürzinger verantworteten Übersetzung, die im Pattloch-Verlag erschienen ist, liest sich die Perikope so:

Und das Volk fragte ihn, und sprach: Was sollen wir also tun? Er aber antwortete, und sprach zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, gebe dem einen, der keinen hat; und wer Speise hat, tue desgleichen.Und es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister! Was sollen wir tun? Er aber sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als was euch festgesetzt ist! Und es fragten ihn auch die Kriegsleute, und sprachen: Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen: Verübet gegen niemanden Erpressung noch Unbilde, und seid zufrieden mit euerm Solde! Da aber das Volk der Meinung war,und alle in ihren Herzen von Johannes dachten, ob er nicht etwa selbst Christus sei, so antwortete Johannes, und sprach zu allen: Ich zwar taufe euch mit Wasser, es wird aber der kommen, welcher mächtiger ist als ich, dem ich nicht wert bin, die Schuhriemen aufzulösen; dieser wird euch im heiligen Geiste und Feuer taufen. Er hat seine Wurfschaufel in seiner Hand, und wird seine Tenne reinigen; den Weizen wird er in seine Scheune sammeln, die Spreu aber verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. Und noch viel anderes lehrte und verkündigte er dem Volke.

Nun kommt da noch etwas, daß einen dann verwundert. Johannes gibt also Ratschläge, wie man sich gottgefällig verhalten soll, und kündigt ein Gericht an, bei dem die Spreu vom Weizen getrennt wird. Der Sonntag, wo dieses verkündet wird, ist der Sonntag Gaudete, mit dem Eröffnungsvers: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ Ja, wir freuen uns: Denn dieses Gericht ist ein gerechtes und auch barmherziges Gericht; und durch den Erlöser selbst wird uns, die wir es nicht verdient haben, der Himmel aufgeschlossen. Anselm von Canterbury hat übrigens in seinem Proslogion über diese Spannung von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes nachgedacht. Dazu vielleicht ein andermal mehr.

Ambrosius von Mailand beobachtet dazu in seinem Lukaskommentar:

Das Symbol der Wurfschaufel deutet klar an, daß der Herr das Recht hat, über Verdienst und Mißverdienst zu entscheiden; denn während der Weizen auf der Tenne geworfelt wird, scheiden sich, wie an der Luft gewogen, die vollen Körner von den leeren, die Frucht von der Spreu. So zeigt uns dieser Vergleich, wie der Herr am Tage des Gerichtes die Verdienste und Früchte echter Tugend von den tauben, leichten Spreu eitler Prahlerei und kümmerlicher Werke aussondert, indem er nur die Menschen mit vollkommenerem Tugendverdienste in die himmlische Wohnung aufnehmen wird. Eine vollkommenere Frucht nämlich ist nur die, welche das Verdienst der Gleichförmigkeit mit jenem aufweist, der wie ein Weizenkorn zur Erde fiel, um tausendfältige Früchte in uns zu bringen; der, ohne Spreu befunden, kein Freund leeren Verdienstes ist. Darum „wird Feuer vor ihm lodern“, seiner Natur nach kein Straffeuer; denn es wird wohl die Übeltaten der Ungerechtigkeit ausbrennen, den Glanz der Gerechtigkeit aber erhöhen.

Wir dürfen uns freuen, denn wir dürfen uns Hoffnung machen, daß unser Hunger nach Gerechtigkeit, unser Durst nach Erlösung gestillt, unsere Bitten auf Barmherzigkeit erhört werden. Deswegen sagt Paulus auch: „Freut euch!“

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