Nun komm, der Heiden Heiland!


Der hl. Ambrosius von Mailand war ein wesentlicher Impulsgeber für das Kirchenlied im Abendland, und hat das liturgische Lied im Mailand wohl erst populär gemacht (vgl. Alexander Zerfass, Mysterium mirabile), insbesondere bei der Besetzung der Basilika in Mailand durch kaiserliche Truppen im Jahre 386.

Vom Kirchenvater stammt auch ein sehr berühmter Weihnachtshymnus: „Veni redemptor gentium“, im Deutschen in Luthers Übersetzung „Nun komm, der Heiden Heiland“ bekannt. Darin beschreibt Ambrosius das Geheimnis der Geburt Jesu in einem Text, der mit Bibelzitaten gespickt ist, und trotzdem in einfacher, klarer und direkter Weise erzählt. So ist die erste Strophe ein Zitat der Eröffnung von Psalm 80. Reichhaltige und doch schnell verdauliche Informationen kann man übrigens hier bei Achim Grabinski nachlesen.

Weil zu einem ambrosianischen Hymnus nun einmal Musik dazugehört, darf ich vorab eine Aufnahme des Hymnus durch die Schola Cantorum Riga einstellen:

Ich darf den Text des Hymnus erst in meiner deutschen (nicht-rhythmischen) Übertragung und danach auf lateinisch posten, einschließlich der ursprünglichen ersten Strophe „Intende, regis Israel“.

Höre, König Israels

Ambrosius von Mailand

Höre, König Israels,
thronest über Cherubim,
zeig Dich Ephrem und erweck’
Deine Herrlichkeit und komm!

Komm, Erlöser der Völker,
zeig die Geburt der Jungfrau;
alle Zeit bewundere:
solch Geburt ziemt dem Herrn.

Nicht aus männlichem Samen,
aus geheimnisvollem Hauch
ist Gottes Wort Fleisch geword’n
und blühte als Frucht des Leibs.

Der Bauch der Jungfrau schwoll an,
der Riegel der Scham harrt aus,
der Tugend Banner leuchtet:
Im Tempel weilet der Herr.

Er ging aus seiner Kammer,
dem königlich’ Saal der Scham,
der Held zweifacher Natur,
den Weg munter zu laufen.

Sein Weggang ist vom Vater,
sein’ Rückkehr ist zum Vater,
der Abstieg bis zur Hölle,
der Aufstieg zu Gottes Thron.

Du, gleich dem ew’gen Vater!
Trägst des Fleisches Siegesmal,
daß wir die Schwäche des Leibs
mit Tugend gestärkt ertrag’n.

Schon glänzet Deine Krippe;
Neues Licht atme die Nacht,
das keine Nacht verdecke,
und durch Glauben immer schein’.

Intende, qui regis Israel

Und nun der lateinische Text:

Intende, qui regis Israel,
super Cherubim qui sedes,
appare Ephrem coram, excita
potentiam tuam et veni.

Veni, redemptor gentium,
ostende partum virginis;
miretur omne saeculum,
talis decet partus Deum.

Non ex virili semine,
sed mystico spiramine
verbum Dei factum est caro
fructusque ventris floruit.

Alvus tumescit virginis,
claustrum pudoris permanet,
vexilla virtutum micant,
versatur in templo Deus.

Procedat e thalamo suo
pudoris aula regia
geminae gigas substantiae,
alacris ut currat viam.

Egressus eius a patre,
regressus eius ad patrem,
excursus usque ad inferos,
recursus ad sedem Dei.

Aequalis aeterno patri,
carnis tropaeo cingere,
infirma nostri corporis
virtute firmans perpeti.

Praesepe iam fulget tuum
lumenque nox spirat novum,
quod nulla nox interpolet
fideque iugi luceat.

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