Nachsicht, geübt am Vater, wird nicht vergessen


Zum Fest der heiligen Familie – wobei interessanterweise die Kleinfamilie Josef, Maria und Jesus damit gemeint ist – kann als erste Lesung ein Abschnitt aus dem Buch Jesus Sirach gelesen werden, der Anfang des dritten Kapitels, der sich mit dem Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern beschäftigt:

Ihr Kinder! Achtet auf das Recht des Vaters! Daß ihr das Heil erlanget, handelt so!  Der Herr hat ja dem Vater bei den Kindern Ehre angewiesen, das Recht der Mutter für die Söhne festgestellt. Wer seinen Vater ehrt, sühnt seine Sünden. Und wie ein Schätzesammler ist, wer seine Mutter ehrt. Und wer den Vater ehrt, dem kommt von Kindern wieder Freude; er wird Erhörung finden, wenn er betet. Und wer den Vater achtet, hat ein langes Leben; wer auf den Herren hört, der ehrt auch seine Mutter. Er dient wie Herrschern seinen Eltern. Den Vater ehre, Sohn, in Wort und Tat, daß über dich von ihm der Segen komme! Des Vaters Segen macht der Kinder Häuser fest; der Fluch der Mutter reißt sie nieder bis zum Grund. Nie brüste dich mit deines Vaters Schmach! Des Vaters Schmach ist deine Ehre nicht. Denn eines Mannes Ehre hängt von seines Vaters Ehre ab, und eine Mutter schlechten Rufs gereicht den Kindern nur zur Schande. Mein Sohn! Nimm deines Vaters dich im Alter an! Bereite ihm, solang er lebt, nicht Kummer! Wenn sein Verstand abnimmt, üb Nachsicht! Beschäm ihn nie an irgendeinem Tage seines Lebens! Nachsicht, geübt am Vater, wird nicht vergessen; sie wird dir gutgeschrieben als Opfer für die Sünden. Am Tag der Drangsal wird sie einst dir angerechnet, wie Tauwetter das Eis nimmt deine Sünden sie hinweg. Wer seinen Vater läßt im Stich, ist wie ein Gotteslästerer; vom Herrn verflucht, wer seine Mutter bringt in Zorn. – Jesus Sirach 3,1-16 (Übersetzung von Paul Rießler in der sogenannten „Grünewald-Bibel“ dank Christoph Wolleks Volksbibel 2000)

Der ständige Zusammenprall der Generationen ist nichts neues, und die Selbstüberhebung der Nachkommenden über die Vorhergehenden auch nichts. Jesus Sirach mahnt uns dagegen in einer Rede, die eindeutig auf das Altwerden gemünzt ist: Wir sollen die Altvorderen nicht abschieben oder im Stich lassen, sie auch nicht ständig durch Hinweise auf ihre abnehmenden geistigen und körperlichen Kräfte beschämen, auch nicht ständig darauf hinweisen, daß man an ihrer Stelle alles anders und besser gemacht hätte als sie – wir sollen tugendhaft mit ihnen umgehen: Sie unterstützen, ihnen helfen, ihre Würde zu bewahren. Gerade in der Weihnachtszeit, in der viele ältere Menschen unter der Einsamkeit leiden, darunter, daß ihre Familien sie verlassen haben, wichtige Gedanken.

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