Eberau und die Votivkirche


Zum Geschehen rund um die Votivkirche und die Asylwerber, Aktivisten und andere Personen, die das Gotteshaus besetzt haben, hat Andreas Unterberger eine kluge Beobachtung gemacht: Die problematische Situation bei der Unterbringung von Asylwerbern hängt wesentlich mit dem gescheiterten Versuch der damaligen Innenministerin Maria Fekter zusammen, ein zusätzliches Erstaufnahmezentrum im burgenländischen Eberau zu errichten.

Zu Fall gebracht wurde er bekanntlich durch eine gemeinsame rot-blaue Anti-Asylwerber-Linie, die den Menschen im Burgenland allgemein und in Eberau in besonderem in düstersten Farben schilderte, was bei Errichtung eines solchen Zentrums in Eberau geschehen würde. Bei so viel Angst war dann das Argument mit den zusätzlichen Arbeitsplätzen in der strukturschwachen Region nebensächlich. Das der burgenländische Wahlkampf für den Landtag seine Schatten voraus warf, verlieh dem populistischen Treiben zusätzlich Schwung. Seither traut sich niemand mehr an das Thema Erstaufnahmezentrum heran.

Unterberger:

Der für seinen Weitblick in Österreich weltberühmte Ministerdarsteller Darabos meinte, das würde ohnehin keiner brauchen, weil immer weniger Flüchtlinge kämen. […] Viel hätten wir uns (und sicher auch manchen Flüchtlingen) erspart, wäre diese vorsorgliche Maßnahme getroffen worden. Aber aus Feigheit vor dem Urnengang und aus der Unfähigkeit, sich den Wählern zu erklären, wurde sie unterlassen. Jetzt haben wir Streit um Bundesländerquoten, Runde Tische, Kirchenbesetzungen.

Jetzt haben wir ein großes Wahljahr mit Landtagswahlen in Niederösterreich, Salzburg, Kärnten und Tirol und einer Nationalratswahl. Kaum vorstellbar, das angesichts dieser Kulisse Entscheidungen getroffen werden können, die langfristig hilfreich sind. Nicht, weil man den Menschen diese Maßnahmen nicht erklären könnte, sondern deshalb, weil jede Partei das Risiko für viel zu groß hält, und daher erstens vor solchen Entscheidungen zurückscheut und zweitens alles erdenkliche tut, damit andere solchen Mut zum Risiko schleunigst bereuen. Das ist spieltheoretisch einleuchtend, aber praktisch nicht sehr befriedigend.

Mir ist es nebenbei ein Rätsel, wie der Mißbrauch eines Gotteshauses so klaglos von Erzdiözese und dem zuständigem Priester hingenommen wird. Freilich sind unter den Besetzern verzweifelte Personen, die von meist in behaglicher Sicherheit lebenden Aktivisten aufgestachelt und ausgenützt werden. Wie die Schicksale einzelner von einer ganzen Betroffenheitsindustrie ausgeschlachtet werden, ohne daß denjenigen selbst irgendeine Perspektive daraus erwächst, ist widerlich. Trotzdem: Eine Kirche ist kein Schlafplatz, solange man zumindest Respekt vor dem Glauben der betroffenen Religionsgemeinschaft hat. Und, so möchte ich ergänzen, auch wenn man Respekt vor den Asylwerbern hat, die man da als Aktivist in die Eiseskälte hineinjagt.

Kirchenasyl, eine rechtlich nicht vorhandene Konstruktion, wird in Deutschland übrigens in der Regel nicht im Gotteshaus, sondern etwa im Gemeindezentrum, Gästewohnungen etc. gewährt. Manche Gemeinden, wie etwa eine lutheranische Gemeinde in Jena, haben auch die Unterkunft in einer Kirche durchgeführt. Aber dieses Asyl wurde dort von den betroffenen Gemeinden freiwillig gewährt und nicht abgepreßt.

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Ein Gedanke zu “Eberau und die Votivkirche

  1. außerdem bietet eine kirche nicht viel mehr wärme im kalten winter als sie draußen vorhanden ist.
    das vorgehen besagter aktivisten ist wieder mal ein beispiel, dass das religiöse gefühl von christen auch bei uns weit weniger wertgeschätzt wird als das von zB muslimen. Niemand würde auf die Idee kommen, die Moschee in Floridsdorf zu besetzen…und vermutlich würde soetwas auch nicht so friedlich ablaufen…
    aber es ist, wie es immer ist – es ist ja nur ein christliches Gotteshaus und damit für unseren lieben materialistischen linken ohnehin nur verschwendetes baumaterial..

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