James M. Buchanan und die Ökonomie der Politik


James M. Buchanan, Jr. (1919-2013)

James M. Buchanan, Jr. (1919-2013)

Mit James M. Buchanan, Träger des Nobel-Gedenkpreises der Schwedischen Reichsbank, ist einer der großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts gestorben. Gemeinsam mit Gordon Tullock entwickelte er die Neue Politische Ökonomie, auch unter dem Schlagwort Public Choice bekannt, die Handlungen in der Politik mit dem Werkzeug der Ökonomie untersuchte. Politiker werden darin vorrangig nicht als Streiter für edle Ideen beschrieben, sondern versuchen, ihren Einfluß, ihre Zustimmung, ihre Macht zu maximieren. Da auch der größte Idealist seine politischen Ideen nur umsetzen kann, wenn er die entsprechenden Machtmittel aufbauen kann, ist so eine allgemeine Beschreibung bestimmter politischer Mechanismen möglich.

Dazu gehört die Untersuchung verschiedener Entscheidungsregeln, oder der Einfluß von Interessenvertretungen und Sondergruppen auf die Entscheidungsfindung. Dabei hat er auch die Bedeutung und Mechanismen herausgearbeitet, mit denen die Spielregeln, die „(Real)Verfassung“, erzeugt werden, innerhalb derer sich die gewöhnliche politische Arbeit abspielt. Mit dem Werk „Calculus of Consent“ haben Buchanan und Tullock auf diesem Gebiet ein Standardwerk geschrieben.

Buchanan hat in seinem Vortrag anläßlich der Nobelpreisverleihung beschrieben, wie die Lektüre des damals etwas vergessenen Knut Wicksell ihn zu diesem Forschungsprogramm inspiriert hat:

Ökonomen sollten aufhören, politische Ratschläge anzubieten als wären sie von einem wohlmeinenden Despoten beschäftigt, und sie sollten den Rahmen untersuchen, innerhalb dessen politische Entscheidungen getroffen werden.

Ebenso hat Buchanan in seinem Werk „Public Principles of Public Debt“ dargestellt, warum die Rede davon, daß inländisch gehaltene Staatsschulden kein Problem seien, weil „wir uns die Staatspapiere ohnehin selber schulden“, ein schwerer Irrtum ist. Schon alleine deswegen, weil dieses „Wir“ in dieser Form nicht existiert. Die Lasten der öffentlichen Staatsverschuldung werden von zukünftigen Steuerzahlern getragen, während die gegenwärtigen Gläubiger ein vorteilhaftes Geschäft erwarten; die gegenwärtigen Steuerzahler treffen ihre Entscheidung auf Grund der geringen subjektiven Kosten der Verschuldung. Buchanan demonstrierte, daß inländische und ausländische Verschuldung abseits von Wechselkurs-Problematiken im Endeffekt ähnliche Wirkung haben; auch widerlegte er die gängige These, daß Staatsverschuldung mit privater nicht vergleichbar sei. Dieses Werk ist bis heute nicht durchgängig rezipiert, doch ebenso bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Debatte um Staatsverschuldung.

Aus seiner Untersuchung staatlicher Schulden heraus hat sich eine der wenigen direkt politischen Aktivitäten Buchanans entwickelt, der von sich selbst sagte, sonst lieber im Elfenbeinturm zu arbeiten. Er setzte sich für eine moderatere Staatsverschuldung ein, da öffentliche Schulden meist zur bloßen Finanzierung von Konsumausgaben dienten und daher die künftige Wohlfahrt durch die notwendigen Zinszahlungen reduzierten:

„Indem wir laufende öffentliche Ausgaben durch Schulden finanzieren, fällen wir in Wirklichkeit Apfelbäume für Brennholz, wodurch wir den Ertrag des Obstgartens für immer verringern.“ (The Economic Consequences of the Deficit)

Wer viel über die Regeln und Funktionsweise der Politik nachdenkt, wie es James M. Buchanan getan hat, denkt wohl unweigerlich auch darüber nach, welche Inhalte diese Politik haben sollte. Buchanan wurde so von einem „libertarian socialist“, wie er seine Jugendposition bezeichnete, zu einem großen Denker für die Freiheit, wofür ich aber auf den Morgenländer verweisen darf, dessen Aufforderung zur Würdigung der wirtschaftswissenschaftlichen Bedeutung Buchanans ich hiermit gerne nachgekommen bin.

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