Bundesheer: Etwas Billigeres können wir uns nicht leisten.


Die Debatte um die Zukunft des österreichischen Bundesheeres ist oft ein wenig skurril: Schon lange wird es finanziell ausgehungert, für die eigentlich möglichen Bedrohungsszenarien nicht ausgerichtet, dafür so oft reformiert, bis sich jeder wundert, warum überhaupt noch etwas funktioniert. Andererseits wird jedes Jahr bei Unwettern und anderen Katastrophen nach dem Heer gerufen, Bundesländer wünschen sich Grenzsicherungen durch junge Rekruten, alle sind stolz auf die Auslandseinsätze österreichischer Soldaten.

Österreich war zudem in den letzten Jahrzehnten ein erfolgreicher sicherheitspolitischer Schwarzfahrer: Immer darauf bauend, daß bei echten Bedrohungen andere die Kastanien aus dem Feuer holen werden, haben wir uns laufend um einen Beitrag zur gemeinsamen Sicherheit geschraubt, wie man so schön sagt.

Durch die Volksbefragung über den Fortbestand von Milizheer und Zivildienst oder Ersatz durch ein Berufsheer wird diese Debatte um einige Facetten reicher. Wobei vorausgeschickt sei: Es sind vor allem die dummdreisten Lügen, die über den Boulevard von den Berufsheer-Befürwortern lanciert werden, die mich zu diesem Artikel animiert haben.

Ein Berufsheer ist überlegenswert, wenn man sein Heer auch außerhalb der unmittelbaren Landesverteidigung einsetzen will. Es kostet aber natürlich auch mehr, soll es seine Aufgaben ernsthaft erfüllen können. Wer die Verteidigung zu seinem Beruf macht, erwartet entsprechende Standards in Bewaffnung, Sicherheit und Sanitätsversorgung, ausreichende Kompensation des potentiellen Risikos und eine Perspektive, wenn er für den Gefechtsdienst zu alt oder jedenfalls nicht mehr befähigt ist. Ein Blick in moderne Berufsarmeen genügt.

Schweden und Deutschland haben seit der Umstellung auf ein Berufsheer große Probleme mit der Einsatzbereitschaft ihrer Truppe; das hängt auch mit der fehlenden Bereitschaft zusammen, ordentlich in die Tasche zu greifen. Da Österreichs Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) ja sogar „kostenneutral“ umstellen will, kann man schon jetzt mit Sicherheit ein dysfunktionales Skelettheer voraussagen.

Anders gesagt: Mit so wenig Geld, wie Österreich für seine Sicherheit auszugeben bereit ist, ergibt nur die Wehrpflicht einen Sinn, die außerdem das nicht gerade glänzend ausgestatte Heer vor politischen Abenteuern bewahrt, in die Berufssoldaten gerne geschickt werden. Die Wehrpflicht ist gleichzeitig auch ein Garant für gewisse Mindeststandards, da die Bevölkerung eine übermäßige Gefährdung der eigenen Sprößlinge nicht zuläßt.

Jetzt versucht die SPÖ, mit gezielten Fehlinformationen die Bevölkerung von den Vorzügen eines Berufsheeres zu überzeugen, etwa mit einer angeblich drohenden Ausweitung der Wehrpflicht (wobei ich persönlich hier Tom Schaffer zustimmen muß), bis zur Behauptung, es gebe ohnehin bald zu wenig Rekruten. Daher … sollte man keinesfalls den Wehrdienst aufwerten, sondern stattdessen ein Berufsheer einführen, für das man noch weniger Rekruten finden wird? Auch die Behauptung, es gebe ohnehin keine Bedrohung, hört man oft. Erinnert mich an Leute, die keine Feuerversicherung abschließen wollen, weil es eh nie gebrannt hat. Angesichts der zahlreichen Bundesheereinsätze, die es jedes Jahr im In- und Ausland gibt, ist die Behauptung der mangelnden Notwendigkeit des Heeres jedenfalls sehr gewagt.

Schließlich wird auch der Zivildienst diskreditiert, von schlechter Versorgung durch Zwangspfleger gesprochen – ohne auch hier das Naheliegende zu sagen: Das Geld für entsprechendes Personal fällt nicht vom Himmel – und mangelnde Motivation ist gerade in Sozialberufen auch bei (meist nicht hoch) bezahlten Kräften keine Seltenheit.

Wenn Österreich sich solidarisch in eine europäische Sicherheitsarchitektur einklinkt und die entsprechenden Mittel auszugeben bereit ist, kann man gerne ernsthaft über ein Berufsheer sprechen. Wenn man bereit ist, die öffentliche Gesundheitsversorgung zu verschlanken und Leistungen einzuschränken, kann man gerne über ein Ende des Zivildiensts sprechen. Solange dies nicht der Fall ist, entspricht das System von Wehrpflicht und Zivildienst dem Land besser.

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3 Gedanken zu “Bundesheer: Etwas Billigeres können wir uns nicht leisten.

  1. am peinlichsten ist der werbespot, der auch in kinos läuft. die behaupten doch tatsächlich dumm-dreist, dass jemand, der ein freilliges soziales jahr macht besser ausgebildet ist als ein zivi. Ich mein was soll der Unsinn, als ob einer der ein Jahr macht so viel besser ausgebildet sein kann als einer der neun Monate macht. Aber anscheinend fällt niemandem auf, was das für ein Quatsch ist. Wie richtig von befürwortern der Wehrpflicht gesagt wurde, kostet ein berufsheer genausoviel wie ein heer mit wehrpflichtigen – nut mit weniger personal und somit weniger schlagkräftig.
    Ohne Zivis wird das Sozialsystem schweren schaden nehmen! Die Bevölkerungsentwicklung lässt ohnehin zweifel ob es selbst mit Zivis noch genug Arbeiter im sozialen Sektor geben wird, wenn unsere Generation älter ist und Hilfe braucht – wie schlimm wird es dann erst ohne Zivis??
    Es ist echt wichtig, zur Befragung zu gehen und FÜR die Wehrpflicht zu stimmen!! Anders sind wir angeschmiert, weil bis die neunmalklugen merken, dass ohne Zivis Personal fehlt, lässt sich die Wehrpflicht wohl nicht mehr ohne Weiteres wieder einführen!!!!

    http://truehistoryblog.wordpress.com

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