Zum Sonntag in der Oktav nach Epiphanias


Eine der größeren Änderungen im liturgischen Kalender der Kirche im Zuge der Liturgiereform 1970 war die de facto Verkürzung der Weihnachtszeit, die mit dem Sonntag nach dem Fest der Erscheinung des Herrn endet. Früher wurden nach dem Epiphanie-Fest am 6. Jänner die Sonntage nach Epiphanias gezählt; erst mit Maria Lichtmeß galt der Weihnachtszyklus als beendetBis Maria Lichtmeß konnte so die Weihnachtszeit je nach Lage der Vorfastenzeit unter Umständen noch nachleuchten, was auch inhaltlich sinnvoll ist, da Lichtmeß, die „Darstellung des Herrn im Tempel“, in enger Beziehung zur Geburt Jesu steht. Warum man sich entschloß, die Einheit der weihnachtlich geprägten Feste zu durchtrennen, weiß ich nicht. Vielleicht kann mich ein Leser erhellen?

Seit 1920 war am ersten Sonntag nach Epiphanias das Fest der heiligen Familie angesetzt. Schon davor wurde aber am Sonntag in der Oktav von Epiphanie das Evangelium vom zwölfjährigen Jesus im Tempel gelesen, so daß das neue Fest keine Änderung des grundsätzlichen Charakters des Tages bedeutete. Der Sonntag darauf war als „dominica architriclini“ der Hochzeit von Kana gewidmet. Am dritten Sonntag nach Epiphanias stand der Hauptmann von Kafarnaum im Mittelpunkt; am vierten Sonntag der Sturm auf dem See Genesareth; am fünften Sonntag das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen; am sechsten Sonntag die Gleichnisse vom Senfkorn und vom Sauerteig. Bei einem frühen Ostertermin konnte es allerdings zu einer Überschneidung der Wochen vor Lichtmeß mit der Vorfastenzeit kommen.

Nun zurück zum Sonntag nach Dreikönig, an dem also jahrhundertelang das Evangelium vom zwölfjährigen Jesus im Tempel gelesen wurde, und im Brevier dazu der hl. Ambrosius zu Wort kam. Das soll er nun auch hier:

Mit dem zwölften Jahre, wie wir lesen, nahm die Lehrtätigkeit des Herrn ihren Anfang. Dieser Zahl an Verkündigern des Evangeliums bedurfte nämlich die Predigt des Glaubens. Nicht umsonst sodann ist er, der doch fürwahr auch seiner Menschheit nach von der Weisheit und Gnade Gottes erfüllt war, um seine menschlichen Eltern unbekümmert, läßt nach drei Tagen sich im Tempel finden zur Versinnbildung, daß er drei Tage nach jenem glorreichen Leiden auf dem himmlischen Throne und in göttlichen Ehren als Auferstandener sich unserem Glauben offenbaren werde, nachdem man ihn eben noch tot glaubte.

Was für ein wunderschöner Vergleich zu einer nicht immer leicht zu erschließenden Stelle.

Advertisements

2 Gedanken zu “Zum Sonntag in der Oktav nach Epiphanias

  1. Pingback: Zur Verkürzung der Weihnachtszeit « Aus dem Hollerbusch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s