Mali-Einsatz: Richtig, aber inkonsequent


So schnell kann sich die Meinung eines Politikers ändern. Im Wahlkampf war François Hollande noch fest überzeugt, daß Frankreich sich nicht in die Angelegenheiten seiner ehemaligen Kolonien einmischen solle. Er präsentierte sich viel mehr als strammer Antiimperialist, und warb etwa für einen Rückzug Frankreichs aus Afghanistan, das man, so die indirekte Botschaft, besser den Taliban überlassen sollte.

Als Präsident hat er den Rückzug aus Afghanistan, in dem Frankreich tatsächlich kaum geopolitische Interessen verfolgt, tatsächlich durchgeführt. Die Unabhängigkeit Azawads oder sogar den Sturz der jetzigen Regierung Malis dagegen, beides im tiefen Widerspruch zu den Interessen Frankreichs, konnte er doch nicht zulassen. Sein Zögern, für das er auch innenpolitisch bekannt ist, sorgte für eine Entscheidung in gleichsam letzter Minute, aber immerhin.

Die islamistischen Angreifer sind tatsächlich nicht zu unterschätzen: Eine dank des Zerfalls Libyens gut ausgerüstete Truppe, ideologisch hochmotiviert, und Profiteure der jahrzehntelangen Unterdrückung der Tuareg im Norden Malis, die daher Verbündete für ihren Kampf gegen die Regierung gebraucht haben. Tuareg und Islamisten haben sich zwar mittlerweile getrennt, doch haben die Islamisten die Oberhand. Sie sind auch die „modernere“ Kraft: Analog zu den Progressiven Europas verwerfen sie die gewachsene Tradition und wollen einen neuen Menschen in einer vollkommenen Gesellschaft schaffen. Allerdings ist ihr Bauplan dafür eine spezifische Auslegung des Korans, die mit einem strengen Salafismus zusammenhängt.

Es ist wohl auch richtig, daß ein islamistisch beherrschtes Land wiederum Trainingsort für Terroristen und destabilisierend für die ganze Region wäre, da die Islamisten von ihrer Lehre her nach der Herrschaft in den benachbarten Ländern streben müssen. Der Einsatz Frankreichs war daher notwendig, um schlimmeres zu verhindern. Wenn nun der „Standard“ allerdings behauptet, der Einsatz sei konsequent gewesen, dann weiß ich nicht, von welchem François Hollande sie sprechen.

Nebenbei: Westerwelles Rede davon, daß eine militärische Lösung nicht allein bestehen könne, trifft zwar oft zu, aber gerade im Falle Malis hätte er sie sich schenken können. Mit Islamisten vom Schlage Ansar Dines kann man nicht verhandeln, weil sie keine regionalen Interessen vertreten, denen man entgegenkommen könnte, sondern von einer Art Weltherrschaft träumen. Mit Pinky und dem Brain sollte man bekanntlich auch nicht verhandeln.

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