Zum Tode Reinhold Stechers


Es ist seltsam: Wenn jemand in hohem Alter stirbt, dann höre ich manchmal: Er hat ein erfülltes Leben gehabt. Warum soll man um ihn trauern? Der Tod von Bischof Reinhold Stecher erinnert mich wieder daran, warum man dann trauern soll: Wir trauern ja nicht für den, der gestorben ist – er wird, so hoffen und bitten wir, in eine Herrlichkeit aufgenommen, die alles Irdische übersteigt. Wir trauern um uns, weil der Verstorbene aus unserer Mitte gerissen wurde, und wir unseren Weg auf Erden nun ohne ihn gehen müssen.

Reinhold Stecher war als erst zweiter Bischof der Diözese Innsbruck eine prägende Gestalt, aber er wirkte über das Nord- und Osttiroler Land seiner Diözese hinaus. Im wahrsten Sinn durch Wort und Bild, denn er war bekanntlich ein künstlerischer, kreativer Mensch, der seine Liebe zu Christus, den Menschen und zur Schöpfung auf vielerlei Weise ausgedrückt hat, in Aquarellen, in oft sehr humorigen Zeichnungen, in ganz verschiedenen Büchern, die allesamt im Tyrolia-Verlag erschienen sind. Von meditativen Betrachtungen etwa zur Bergwelt über heiter-besinnliche Anekdoten aus seinem Leben bis zu imaginären Interviews mit historischen Personen und Gebäuden, die überraschende Einblicke gewähren, war Reinhold Stecher ein vielseitiger Mensch.

Er gehört zu jener Generation, die den Wandel der Kirche in Österreich miterlebt und mitgestaltet haben, und im historischen Rückblick kann man hier wohl nicht immer zufrieden zurückschauen. Manche Wünsche dieser Generation sind zum Glück unerfüllt geblieben, manche Probleme von ihr nicht rechtzeitig erkannt worden, manchesmal hat sie dem Zeitgeist die Türe etwas zu weit geöffnet. Er gehörte aber auch zu jener Generation, die erlebt hat, was es heißt, mutig zu seinen Überzeugungen zu stehen. Während der NS-Zeit trat er ins Priesterseminar ein, und wurde zwei Jahre später von der Gestapo verhaftet. Nach drei bangen Monaten kam er wieder frei, um prompt zur Wehrmacht eingezogen zu werden. Trotzdem blieb er ein Unbequemer, der seine Stimme für das, wovon er überzeugt war, erhoben hat – aber ohne jede Überheblichkeit. Er wird uns auch darin fehlen.

Nun ist er also 91jährig gestorben, nachdem er am Vortag noch gepredigt hatte, wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, die auch einige Reaktionen aus Tirol dokumentiert. Sein letztes Buch war gerade erst im Dezember 2012 erschienen – passenderweise mit dem Titel „Spätlese“, eine Reflektion über sein Leben.

Reinhold Stecher selbst sagte schon zum 85. Geburtstag: „Die Landeklappen sind ausgefahren. Ich bin bereit zum Landen. Je näher ich diesem Flughafen komme, umso wesentlicher steht Christus vor mir.“ Ich hoffe sehr, daß er nun am ersehnten Ziel seiner Reise angelangt ist.

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