Buchanan: Haben die Ökonomen „gar nichts an?“


Im Gefolge der Krise 2008 wurde oft der Vorwurf erhoben, die Modelle der Ökonomen seien wertlos, weil sie die Krise nicht erkannt, ja nicht einmal ordentlich erklären könnten. Die Volkswirtschaftslehre müsse neu gedacht werden.

Gerade bin ich über einen Text des kürzlich verstorbenen James M. Buchanan gestolpert, in dem er sich mit diesen Fragen beschäftigt. Titel in Anlehnung an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern: „Die Ökonomen haben ja gar nicht an!“.

Ja, die Volkswirtschaftslehre müsse neu, oder vielleicht besser: alt gedacht werden. Die akkurate Messung von makroökonomischen Variablen wie Inflation, Arbeitslosigkeit und BIP-Wachstum bedeute nämlich nicht, daß diese Variablen auch wie eine Maschine gesteuert werden können. Ökonomen versuchten aber, dafür Anweisungen zu liefern, und müßten notwendigerweise scheitern. Buchanan:

Das „ökonomische Problem“ ist (trotz Lionel Robbins) kein technisches Problem daß einfach als Allokation knapper Ressourcne unter alternativen Verwendungen definiert werden kann. Die Ökonomie, in einem umfassenden definitorischen Sinn, wird vielleicht am besten als eine Ordnung beschrieben, die aus einem verbundenen Satz von Tauschbeziehungen besteht, einfachen und komplexen, aus denen Wirkungen entstehen, die in ein mancherlei Hinsicht sinnvoll gemessen werden können, aber nicht durch zentrale Entscheidungsträger ausgewählt und dadurch kontrolliert werden können.

[Übersetzung des Autors]

Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft müsse die Bedingungen ausloten, unter denen diese Tauschbeziehungen stattfinden; herausschälen, welche Beschränkungen welche Wirkungen auf diese Tauschbeziehungen haben. Auch dann könnte sie, bei gegebenen Zielen, sinnvolle Antworten geben können, so implizit Buchanans Ansatz. Aber nicht im engen Ansatz einer Verschiebung der Arbeitslosenrate um Zehntel Prozentpunkte, sondern in Fragen des institutionellen Designs, der wirtschaftlichen Ordnung.

Buchanan trifft da im Grunde auf die deutschen Ordoliberalen, deren Einsichten in den USA nicht so geläufig sind, für die Verfaßtheit der deutschen Nachkriegswirtschaft aber von großer Bedeutung waren. Auch sie wußten um die Bedeutung der Rahmenbedingungen und waren weniger an vergeblicher Makrosteuerung als am institutionellen Rahmen interessiert, wenn ihnen auch ursprünglich meines Wissens nach eine Theorie über das Funktionieren dieser Institutionen fehlte.

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