Schamanismus und Kommunismus


„Guardian“-Kolumnist Andrew Brown ist auf ein Buch über Schamanismus im sowjetischen Sibirien gestoßen, in dem sich auch heute noch in entlegeneren Winkeln das Schamanentum gehalten hat. Zwei Zitate haben mich dabei besonders zum Nachdenken angeregt:

Die andere wirklich wichtige Sache am Schamanismus ist, daß sein Zweck nicht die Erklärung der Welt, sondern ihre Heilung ist. Das ist natürlich dasselbe, das Marx für seine eigene Anhänger in Anspruch nahm: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern.“ Das ist eine der Arten, in denen der Marxismus mehr einer Religion als einer Wissenschaft glich. […]

Es ist wohltuend, das [Buch] zu lesen und darüber zu sinnieren, daß fast sicher mehr Schamanisten als Kommunisten im heutigen Sibirien gedeihen. Weder Marxismus noch Schamanismus konnten die Leiden heilen, von denen sie es behaupteten, aber die Schamanen hatten die besseren Lieder und machten es ein wenig leichter, die Welt auszuhalten.

(Übertragung des Autors)

Das magische Denken, das dem Schamanen zu eigen ist, ist freilich heute auch in Österreich und Umgebung sehr modern, man denke an Energetiker (nicht die von der Stromversorgung), „Fünf Tibeter“ (nicht die aus Tibet), „heilende Kristallschwingungen“ etc.  etc. pp. Doch ohne die Lieder, Geschichten und Traditionen – nur ein müder Abklatsch.

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