Zu Nikolaus Kopernikus


Google-Doodle: Nikolaus Kopernikus

Google-Doodle: Nikolaus Kopernikus

Google feiert heute Nikolaus Kopernikus 540. Geburtstag mit einem gelungenen „Doodle“ (siehe Bild). 540 ist zwar kein besonders runder Geburstag, aber bis zum 600. muß man ja nicht mit der Würdigung warten.

Kopernikus war bekanntlich Domherr am Frauenburger Dom in Ostpreußen, Bediensteter des Fürstbischof des Ermlandes und später sogar mehrfach Kanzler des Domkapitels, ausgebildeter Jurist, nicht ausgebildeter, aber praktizierender Arzt, auch Landvermesser und mehr in Personalunion. 1537 wurde er gar selbst zum Bischof vorgeschlagen. Das er schließlich doch nicht zum Bischof ernannt wurde, ist insofern ein Glücksfall, als er dadurch die Zeit hatte, seine Hypothesen zum Umlauf der Erde um die Sonne zu verfeinern und zu veröffentlichen.

Daß die Erde eine Kugel ist, war unter den Gelehrten Europas seit Jahrhunderten Konsens, wie schon ein Blick in die Schriften des angelsächsischen Mönches Beda Venerabilis lehrt. Die bis dahin möglichen Beobachtungen und Berechnungen legten aber nahe, daß sich Sonne, Monde, Planeten und Fixsterne um die Erde drehen würden. Man konnte Mondfinsternisse berechnen, Planetenbahnen: Die Vorhersagekraft des geozentrischen Weltbildes war so groß, daß man sie positivistisch durchaus als Verifikation werten hätte können. Und man wußte, daß bei einer sich bewegenden Erde sich ein Stern in unmittelbarer Nähe im Verhältnis zum Hintergrund scheinbar schneller bewegen sollte, was mit den damaligen Mitteln aber nicht zu sehen war.

Warum also die – nach heutigem Stand ebenfalls falsche – Idee des Heliozentrismus? Die Berechnungen der Astronomen der Zeit Kopernikus’ waren sehr kompliziert. Denn sie gingen von perfekten Kreisbahnen aus, mußten dann aber für scheinbare Planetenschleifen kompensieren, bei der ein Planet von der Erde aus gesehen kurz die Richtung wechselt. Dafür und für andere Abweichungen wurden die Epizyklen und der sogenannte Äquant eingeführt, ein scheinbarer Mittelpunkt der Kreisbewegung. Im Mittelalter wurden die Berechnungen weiter verfeinert und erreichten so zwar hohe Präzision, aber um den Preis weiterer Komplikationen.

Doch von den perfekten Kreisbahnen war so nicht mehr viel übrig geblieben. Kopernikus beschäftigte die Frage: Wie konnte man das System der Gestirne auf elegante, einfache Weise beschreiben? Er konnte die Überlegenheit seines Ansatzes nicht empirisch stützen, sondern nur mathematisch-philosophisch argumentieren, doch schien ihm das zeitgenössische Theoriegebäude gemäß Ockhams Rasiermesser als zu komplex, um den wahren Sachverhalt abzubilden. Er hätte sich auch leicht irren können, und sein eigener Vorschlag war nicht perfekt und z.T. ebenfalls überkomplex, besonders, weil er die perfekte Kreisbahn retten wollte. Doch als viele Jahre später die Instrumente der Astronomie ausgereift genug waren, konnte die Idee der Bewegung der Erde schließlich auch empirisch untermauert werden.

Das Beispiel des Kopernikus lehrt uns aber auch ein wenig Demut, denn die fest untermauerte Gewißheit der Gegenwart kann bald schallend verlacht werden.

Einige Schriften des ostpreußischen Domherrn kann man hier bei Wikisource nachlesen.

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2 Gedanken zu “Zu Nikolaus Kopernikus

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