Der Mindestlohn – eine unökonomische Debatte


In den USA tobt eine Diskussion um die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns von $7,25 auf $9 (€ 6,80), was bei einer 40-Stunden-Woche etwa einem Mindest-Monatsgehalt von 1560 US$ (€ 1180) entsprechen würde. Auslöser war ein entsprechender Vorschlag des US-Präsidenten Barack Obama. In einem Land, in dem Millionen von Menschen illegal leben und arbeiten von der Rechtsdurchsetzung her schon kurios.

Auch in Deutschland wogt seit einiger Zeit die Mindestlohndebatte, wobei sie weniger von den Betroffenen auszugehen scheint als von gut situierten Personen, die ihr „soziales Profil“ schärfen wollen. So hat Jürgen Trittin in der „Rheinischen Post“ vor kurzem wieder einen gesetzlichen Mindestlohn gefordert. In Österreich gibt es übrigens keinen gesetzlichen Mindestlohn, dafür flächendeckende Kollektivverträge mit Mindestentgelten, die man anders als in Deutschland wesentlich schwieriger umgehen kann.

Nun stehen sich in der Frage des Mindestlohns zwei grundverschiedene Gedankenwelten gegenüber, wie sie etwa in der Frage von Textilien aus Ostasien ebenso aufeinanderprallen. Die einen halten Löhne unter einer gewissen Höhe einfach für unmoralisch; besser sei es, wenn einzelne Menschen arbeitslos auf Kosten der Allgemeinheit lebten, als dass jemand für solche Löhne arbeiten würde, freiwillig hin oder her. Die anderen meinen gerade umgekehrt, es sei unmoralisch, Menschen in die Abhängigkeit vom Staat zu zwingen oder – im Falle der Textilarbeiter – in existentielle Not zu bringen, wenn sie sich doch freiwillig etwas dazuverdienen würden. Sie zu zwingen, nur noch zu Löhnen arbeiten zu dürfen, die eben niemand für sie zahlen würde, sei geradezu menschenverachtend.

Der ökonomische Sachverstand dagegen wird in der Mindestlohndebatte selten gebraucht, weil es eben nur in engen Grenzen um Ökonomie geht. In den USA geht es um ein Thema für die Demokraten, um die Republikaner als herzlose Plutokraten darzustellen, wie der Atlantic wohlwollend schreibt. In den USA treiben SPD und Grüne ähnliche Kalküle, und CDU/CSU wollen durch ein eigenes Vorpreschen in Sachen Mindestlohn die Wahlstrategie von Rot-Grün durchkreuzen.

Dabei begehen viele den Kategorienfehler, niedrige Löhne automatisch mit Armut gleichzusetzen. Viele der Niedriglohnjobs in den USA werden werden von Studenten oder anderen Personen ausgefüllt, die grundsätzlich bereits durch das Einkommen anderer Familienmitglieder (Eltern, Ehepartner, etc.) erhalten werden. Wenn ich tatsächlich arme Haushalte unterstützen will, wie es Obama als Begründung genannt hat, wären Direkttransfers wohl die effizientere Lösung.

Ökonomisch bedeutet ein Mindestlohn in der Regel die Verteuerung von Arbeit, und damit den Wegfall marginaler Arbeitsplätze. Manche werden tatsächlich mehr verdienen, andere weniger Stunden arbeiten, so daß die unproduktivsten Zeiten gestrichen werden, andere in den Schwarzmarkt ausweichen, andere ganz einfach keinen Job mehr finden. Der Nettoeffekt ist dabei nicht immer leicht zu bestimmen; die Tendenz, Menschen aus dem Arbeitsmarkt hinauszupreisen, ist aber klar. Die negativen Beschäftigungseffekte werden durch Inflation und je nach Einsatz verschieden langen Umrüstungszeiten gemildert, z.B. werden in manchen Branchen geplante Investitionen, um zu teuer gewordene Arbeitskräfte einzusparen, durch die Geldentwertung wieder gegenstandslos. Obamas Vorschlag wäre daher schlimmer als die bisherigen, weil er den Mindestlohn indexieren will.

Eine Ausnahme von diesen negativen Effekten bestünde freilich, wenn gewisse Unternehmen übermäßige Marktmacht am Arbeitsmarkt besäßen, ein Monopsonist wären. Das ist das Gegenteil des Monopols: Nicht ein einziger Anbieter, sondern ein einziger Nachfrager, der wiederum durch seine Stellung Renten abschöpfen kann. Dann sind Mindestlöhne ähnlich einer Preisregulierung für Monopolisten sogar geboten. Doch das wird weder für Deutschland noch für die USA, ja nicht einmal von Verfechtern des Mindestlohns behauptet.

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5 Gedanken zu “Der Mindestlohn – eine unökonomische Debatte

  1. Die meisten Mindestlohnbeispiele sind erschreckend. Man nehme Frankreich, wo Arbeit übermaßen teuer ist. Die Paarung mit dem Arbeitnehmerschutz sorgt für hohe Eintrittsschwellen und damit für eine hohe Jugendarbeitslosigkeit.
    In Griechenland sorgte eine solche Politik auch für Stagnation.
    Die Bestimmung des Mindestlohns erfolgt in der Regel über die Politik und wird somit Gegenstand von Wahlkämpfen. Damit werden Löhne vollkommen von der PRoduktivität entkoppelt und der Arbeitsmarkt büßt Dynamik ein.

    • Danke für Ihren Kommentar! Die politische Dynamik des Hochlizitierens kann man jetzt in den USA ja gut beobachten. Unter George W. Bush wurde der Mindestlohn erst 2007 in drei Stufen kräftig von $5,15 auf $7,25 erhöht, und doch hat Obama im Wahlkampf 2008 bereits eine Erhöhung auf $9,50 gefordert. Jetzt erneuert er in einer wirtschaftlich schwierigen Lage diese Forderung, obwohl sie ökonomisch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit besonders gefährlich ist. Aber wie Sie schreiben …

  2. Hallo!
    Bei diesem Theama sind wir gleicher Meinung. Das ist ein exzellenter Artikel.
    Interessanterweise, ist der Minimallohn eine Erfindung der US Progressiven (left-liberals) der Woodrow Wilson Administration.
    Sidney Webb (Gruender des Fabian Sozialismus und Eugenist) hoffte, dass durch die Festlegung eines Mindestlohnes (ueber den aktuellen Lohnwert der „unemployables“) diese permanent vom Arbeitsmark ausgeschlossen wuerden. „Dies wuerde dann ihre Eliminierung als gesellschaftliche Klasse beschleunigen!!!“
    E.A. Ross, der Autor der „race-suicide“ Theorie (ebenfalls ein linker Soziologe, Rassist und Eugeniker) bemerkte dazu noch : „Der (chinesische) Kuli kann den amerikanischen Arbeiter nicht übertreffen, er kann ihn aber unterbieten. Da sich die minderen Rassen mit einer Existenz, in unzivilisierteren Umständen als der Nordische Mensch, zufrieden geben, benötigen sie keine zivilisierten Löhne. Deshalb, wenn man die Löhne auf eine zivilisierte Ebene erhöhe, würden keine Unternehmen solche Lumpen den besseren Bewerbern vorziehen und ihnen damit die Vermehrung erschweren“.
    Das sind nicht die Worte rechter Extremisten, sondern die eines bekennenden Reund des Bolschewismus!
    Gruesse.

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