„Ihr Gott ist der Bauch“


An diesem zweiten Sonntag der Fastenzeit wird als Evangelium die Perikope von der Verklärung gelesen und in Verbindung mit einem Abschnitt des Briefes des Apostels Paulus an die Philipper und den Bundesschluß Gottes mit Abraham gesetzt. Ein interessanter Dreiklang, bei dem mich der Epistel-Text sofort angesprungen hat:

Ahmt mir nach, Brüder, und schaut auf jene, die nach dem Vorbild wandeln, das ihr in uns habt!  Denn viele wandeln – ich habe von ihnen oft zu euch gesprochen und sage es jetzt unter Tränen – als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott ist der Bauch, ihr Ruhm liegt in ihrer Schande, ihr Trachten richtet sich auf das Irdische. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dort erwarten wir auch als Retter den Herrn Jesus Christus, der, vermöge der Macht, durch die er sich alles unterwerfen kann, unseren hinfälligen Leib umwandeln und seinem verherrlichten Leib gleichgestalten wird. Daher, meine lieben, ersehnten Brüder, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest im Herrn, Geliebte!
(Phil 3,17-4,1; Übersetzung von Rupert Storr („Grünewald-Bibel“) via Volksbibel 2000)

Bei diesem Text steht auch eine Kurzfassung zur Verfügung, die erst bei „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ einsetzt. Doch die mahnenden Worte des Apostels davor bilden einen passenden Gegensatz zur Verklärungsgeschichte. Die Verklärung demonstriert, daß Jesu Heimat der Himmel ist, und gibt eine Vorahnung der großen Verwandlung Jesu zu Ostern. Doch Paulus erinnert uns daran, daß wir eine Wahl haben. Wir müssen ja keineswegs Jesus folgen – wir können uns vom „Bauch“ regieren lassen, kurzfristigen Vorteil auf Erden der Heimat im Himmel vorziehen. Und wie oft tun wir das nicht auch?

Der Text ist in der Fastenzeit gut platziert, weil wir uns diese Frage gerade in dieser Zeit stellen sollten. Wo ist unsere Heimat? Nach welchem Vorbild „wandeln“ wir? Und lassen wir uns von Jesus anrühren und verwandeln?

Paulus ruft: „Steht fest im Herrn, Geliebte!“, nennt die Angesprochenen „meine Freude und mein Ehrenkranz“: Er ist überzeugt, daß das kein unschaffbares, lebensfremdes Programm ist. Es wurde doch von ihm und anderen vorgelebt! Und es ist kein Programm der Perfektion, weil es keine perfekten Menschen gibt, sondern ein Programm des Weges. Deswegen nennt er die Adressaten des Briefes „meine Freude“, obwohl sie anscheinend durchaus ermahnt und ermuntert werden müssen.

Wir müssen also nicht verzagen – aber wir müssen den Weg wagen, sonst kommen wir am Ziel, der „Heimat“, nicht an.

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