Smartphone 2013: Auf der Suche nach der Tastatur


Vor Monaten habe ich es auf diesem Blog thematisiert – und ich bin, wie die Zugriffszahlen zeigen, beileibe nicht der einzige, den es interessiert: Das Verschwinden hochwertiger Tastatur-Handys. Nun hat sich auch der ORF dieses Themas angenommen, mit der ernüchternden Auskunft der Netzbetreiber:

Laut Herstellern und Mobilfunkern ist die Nachfrage nach Tastaturhandys in Österreich nicht groß genug, um entsprechende Modelle in den Shops auf Vorrat zu halten. Der Trend gehe eindeutig Richtung Touch-Smartphones, heißt es etwa bei T-Mobile Austria, wo es wie bei A1 derzeit nur BlackBerrys gibt. Dabei stellt sich die Frage, ob die aktuellen Geräte nicht interessant genug sind oder ob der allgemeine Drang zum Wischphone die Vorteile einer physischen Tastatur verdrängt hat.

Freilich verbirgt sich dahinter ein Henne-Ei-Problem: Die gegenwärtig existenten Tastaturhandys sind oft in anderen Belangen so schlecht ausgerüstet, daß nur derjenige zu ihnen greift, für den eine Tastatur ein absolutes Muß ist. Sicher sind immer Kompromisse im Design notwendig – so war jedem klar, warum das Sony Vivaz Pro (mit Tastatur) eine schlechtere Kamera als das Vivaz (ohne Tastatur) haben mußte. Aber die Trade-Offs waren nicht so groß, daß nicht doch viele zum Tastatur-Gerät gegriffen hätten. Das ist nun anders, besonders auf dem europäischen Markt.

Selbst Blackberry brachte sein neues System 10 zuerst auf einem reinen Touchscreen-Gerät auf den Markt. Zumindest wird bald ein top-ausgestattetes Handy mit gutem Bildschirm (720×720 Pixel) und Tastatur folgen. Ein Interview mit Blackberry-Chef Thorsten Heins macht allerdings Hoffnung, daß die Geräte auch für Menschen interessant sein könnten, die keinen der Blackberry-Dienste benötigen:

Die Presse: Ein Hindernis für Konsumenten ist die Gebühr, die man für die Blackberry-Dienste zusätzlich bezahlen muss. In Österreich sind das zwischen zwei und fünf Euro pro Monat. Wird die bleiben?

Thorsten Heins: Für Blackberry bis zur Version sieben auf jeden Fall, weil bei den Handys unser Netz benutzt wird. Mit dem neuen Blackberry werden wir das anders machen: Wer den normalen Zugang zum Internet und zu E-Mails will, der bezahlt nichts. Wenn man aber zum Beispiel mehr Sicherheit will, wenn man spezielle Funktionen von uns haben will, dann werden gestaffelt Gebühren fällig werden.

Nokia will übrigens Tastatur-Handys weiterhin auf die einfachen Asha-Telephone beschränken, während sie für Tastatur-Smartphones keinen Bedarf sehen. Die Antwort des langgedienten Mobilfunk-Journalisten Steve Litchfield: „Poppycock!“ Denn:

 If ‘consumers’ were given the choice, a sizeable niche would indeed choose something modern that also had a physical slide-out or fold-out keyboard. They’re simply not being given that choice. Skewing what Nokia and others perceive as ‘demand’ (looking at what’s selling).

As tkoola points out on Twitter:

“You know what else was „not requested“ by the customers? Touch screen phones in 2005 and 2006.”

Indeed. „Consumer demand“ is a very poor indicator in terms of working out what to build next.

Die Mobilfunk-Messe MWC in Barcelona bringt jedenfalls keine neuen QWERTZ-Geräte – dafür insofern Spannendes, als die ersten Geräte mit dem quelloffenen Firefox OS vorgestellt worden sind, so das Alcatel Fire und das ZTE Open. Für den Konsumenten kann mehr Auswahl nur gut sein. Jetzt hätte ich nur gern wieder mehr Auswahl bei den Formfaktoren, wie wir sie schon einmal hatten.

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