Ein Wahlverlierer: Die Meinungsumfragen


Die Landtagswahlen in Niederösterreich und Kärnten waren durchaus Weichenstellungen für die jeweiligen Bundesländer.

In Niederösterreich waren die Menschen grosso modo mit der Entwicklung des Landes zufrieden, verlängerten entsprechend das Mandat der Landeshauptmann-Partei (wobei: 50% gegen acht Mitbewerber zu verteidigen, das muß man einmal schaffen) und erteilten der Oppositionslinie der SPÖ unter Josef Leitner eine Abfuhr. In Kärnten verlor gerade die Partei, die sich zur Landeshauptmann-Partei stilisierte, beträchtlich und eindeutig, und eine nach früheren Eskapaden und Streitereien diesmal bieder-seriöse SPÖ gewann gerade deshalb mit großem Abstand das Vertrauen der Wähler.

Doch neben diesen klaren Siegern und Verlieren gibt es für mich vor allem einen Verlierer: Die Meinungsforschung. Auf neuwal.com gibt es dazu eine gute Analyse der Meinungsumfragen zur Kärntner Landtagswahl, die auch graphisch demonstriert, daß die Ergebisse von FPK und SPÖ von keinem Institut auch nur annähernd richtig eingeschätzt worden sind. Die ÖVP wurde wiederum systematisch unterschätzt.

Besonders auffällig sind dabei die Umfragen des Klagenfurter Humaninstituts, das noch am 15.2. eine Umfrage mit einer führenden FPK (29%!) veröffentlichte.

Nun sind Umfragen natürlich nur Momentaufnahmen; Menschen können sich umentscheiden, Ereignisse die Wahldynamik verändern etc. Doch weder in Kärnten noch in Niederösterreich gab es in den Wochen vor der Wahl entscheidende Wendungen. Mein Verdacht geht daher in eine andere Richtung.

Die Stichprobengrößen der meisten Umfragen sind eher Stichprobenkleinen. So kommt Gallup in der Regel mit 200 Antworten aus, market und Karmasin immerhin mit 400. Die Schwankungsbreiten dieser Umfragen sind enorm. So wies die letzte Kärntner Gallup-Umfrage einen Wert für die SPÖ von 31% aus, doch sagte sie im Prinzip aus, daß die SPÖ mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% einen Wert von etwa 24% bis etwa 38% erreichen würde. So gesehen lag die Umfrage sogar richtig … aber die Aussage ist ziemlich wertlos.

Die Größe der Stichprobe ist freilich eine Kostenfrage. Und so kompensieren Institute die mangelnden Ressourcen wohl mit Erfahrungswerten und Bauchgefühl – und liegen damit oft durchaus richtig. Aber in der volatilen Situation in Kärnten war das nicht genug, in Niederösterreich hat es zu passablen Prognosen gereicht.

Für das Humaninstitut reicht diese Erklärung freilich nicht: Sie haben eine höhere Stichprobe als die anderen behauptet, und doch gravierende Abweichungen vom Ergebnis, mit einer systematischen Verzerrung der Umfrageergebnisse zugunsten der FPK und des BZÖ. Ein Beispiel: Die Summe der quadrierten Abweichungen zwischen Ergebnis und Umfrage betrug für die Umfrage des Humaninstuts vom 15. Februar 331, für die Umfrage des market-Instituts vom 10. Februar nur 60; die letzte Gallup-Umfrage vom 24. Februar erreicht 120. Woraus sich diese Ergebnisse für das Humaninstitut speisen, müssen freilich Experten beantworten.

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