Zum Tode Hugo Chávez’


Wenn man zum Tod des venezolanischen Staatsschefs Hugo Chávez nicht viel lesen will, so kann man zum Artikel von Rory Carroll in der New York Times greifen. Carroll schreibt regelmäßig für den linksmoderaten „Guardian“, einer Zeitung, die sich gewöhnlich wohlwollend über Chávez „bolivarische Revolution“ geäußert hat, und hat sich intensiv mit dem Land und seiner Entwicklung beschäftigt. Doch Carroll hat bald entdeckt, daß Chávez’ Regime pechschwarze Schattenseiten hat. Seine Erzählung eines skurrilen Fernsehauftritts mit dem „Comandante“ oder die Schilderung des Präsidentenpalastes allein sind die Lektüre wert.

Interessant, daß der frühere Putschist und jedenfalls glänzender Populist in weiten Teilen der „intellektuellen“ Linken und Hollywoods hoch verehrt wird – offenbar gehört es einfach zum guten Ton, selbstherrliche Autokraten zu hofieren, solange sie nur die richtigen Codewörter („Sozialismus“, „Tod den USA“, „Revolution“) benutzen. Daß seine Politik das Land tatsächlich ruiniert hat, interessierte dabei kaum jemanden. Daß die Wahlen vielleicht frei, aber sicher nicht fair waren – auch das tat der Bewunderung keinen Abbruch. Andere linke Regierungen Südamerikas, die weitaus erfolgreicher und demokratischer agierten, haben dagegen kaum Bewunderer gefunden. Zu wenig revolutionär, zu tolerant.

Jetzt ist jedenfalls die Industrie weitgehend kaputt, die Ölförderanlagen veraltet, die Infrastruktur verrottet, die Opposition zerschlagen. Die verbliebenen Freunde Venezuelas sind selbst wirtschaftlich desolate, undemokratische Länder wie Kuba und der Iran. Christian Ultsch hofft in der Presse, daß der Tod Chávez die Chance für einen Neuanfang eröffnet. Eine vage Hoffnung – ich fürchte, vorher wird es noch einmal kräftig bergab gehen, bevor die venezolanische Bevölkerung mehrheitlich mit dem Chávismus bricht.

PS: Die „Glückwünsche“ zu seinem Tod kann ich aber nicht nachvollziehen. Chávez war ein übler Politiker und Volksverführer, aber kein Blutsäufer, über dessen Tyrannentod man sich freuen könnte. Der schleichende Krebstod Chávez ist niemandem zu wünschen.

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