Die „Süddeutsche“ und das Elend der Eliten


Wer wissen will, warum so viele Länder von ihren eigenen Eliten in den Abgrund gefahren werden, der braucht nur einen Blick in die „Süddeutsche“ werfen. Dieses moderat-linke Blatt gibt in etwa das wieder, was in der „chattering class“ als salonfähig gilt, wacht über politische Korrektheit und ein klares Weltbild für seine Leser, ist innerhalb dieser Parameter aber durchaus bemüht.

Diese „Süddeutsche“ leitet einen Artikel über Spanien mit folgendem Text ein:

Spanien lebte fast 40 Jahre unter der Franco-Diktatur. Nun macht sich die Diktatur der Märkte breit. Manche Spanier fragen sich, was schlimmer ist. Tatsächlich wurzelt die Ursache für die heutigen Probleme tief in der Vergangenheit.

Dieser Absatz geht so an den Problemen und Problemursachen Spaniens vorbei, daß man nur hoffen kann, daß niemand diesen Text zu ernst nimmt. SZ-Journalist Sebastian Schoepp wagt dabei einen besonderen Kunstgriff: Er lobt die linke Gesellschaftspolitik in Spanien („Es entstand eines der sozial dynamischsten Gemeinwesen Europas, führend bei Reformen wie Homo-Ehe oder Geschlechtergerechtigkeit.“), während für die soziale Sicherheit und die strikten Arbeitsmarktgesetze nun allein Francisco Franco verantwortlich sein soll.

Das hätte Franco wohl nie zu hoffen gewagt: Er wird aus linker Perspektive für ein Zuviel an sozialer Gesetzgebung kritisiert! Interessant.

Die Lockerung dieser Gesetze ist dem Autor aber übrigens auch wieder nicht recht, sie erzeuge nur „prekäre Arbeitsverhältnisse“. Schuld sei aber vor allem, daß Spanien „erzkatholisch“ und nicht „nordisch-protestantisch“ sei, wie es im Kapitalismus notwendig sei. Dieser Humbug, der zwar auf Max Weber zurückgeht, aber deswegen auch nicht richtiger wird, ist mittlerweile von Davide Cantoni sogar ökonometrisch widerlegt worden.

Es geht auch ohne Ökonometrie: Für die Weber’sche These muß man im Prinzip nur die richtigen Beispiele herauspicken. Umgekehrt geht es freilich genauso. Einer wissenschaftlichen Untersuchung hält dieses Rosinen-Picken für die eigene Linie aber nicht stand.

Die Diktion der „Diktatur des Marktes“ ist seltsam und bleibt unerklärt. Zuerst werden rigide staatliche Regelungen als Problem identifiziert – und gleichzeitig Unbehagen mit der Marktwirtschaft ausgedrückt, ohne genau zu benennen, was denn jetzt eigentlich stattdessen geschehen soll.

Das, was Schoepp schreibt, glauben in ähnlicher Form tatsächlich eine Menge Leute in Medien und Politik – und das ist durchaus gefährlich. Krude Konzepte in Wirtschaft und Anthropologie, sehr selektive historische Wahrnehmung und eine einwandfreie politische Einäugigkeit [Man bedenke: „dynamisch“ und „führend“ kann für Schoepp nur links heißen, während Spanien zu „stockkonservativ“ für die Moderne sei.] sind keine guten Rezepte für die Lösung der Probleme Spaniens und anderer Länder.

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4 Gedanken zu “Die „Süddeutsche“ und das Elend der Eliten

  1. Die Süddeutsche Zeitung als „moderat links“ zu rubrizieren stößt sicher nicht bei allen Katholiken auf Gegenliebe. Ein Versatzstück aus der katholischen Blogosphäre:

    Arminius hat gesagt…
    Apropos FDP
    Die Süddeutsche (ein relativ unbedeutendes Hetzblatt aus Bayern) titelte kürzlich: Wahlkampfprogramm: Die FDP will wärmer werden

    Jo mei, die haben doch schon Fräulein Westerwelle …

    Aber wie sagte schon der große Franz Josef Strauss? Everybodys darling ist everybodys A……ch!

    (Hervorhebung von mir)

    Die Quelle ist folgende:

    http://www.blogger.com/comment.g?blogID=261562083197581298&postID=1754324649650016094&isPopup=true

    • Glücklicherweise ist ja jeder Blogger seiner eigenen Meinung Schmied. Und was stößt schon „bei allen Katholiken auf Gegenliebe“, deren Bandbreite in Österreich politisch vom Bundesgeschäftsführer der österreichischen Grünen Stefan Wallner (früher Caritas-Generalsekretär) bis zum nunmehrigen BZÖler Ewald Stadler reicht, der lange der Piusbruderschaft verbunden war? Religiös von der Laieninitiative Kohlmaiers bis zum Mercedarierorden reicht? Eben.

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