Kurz zu Zypern


Das „Zypern-Paket“, mit dem zum ersten Mal im Euroraum Sparer und andere Besitzer von Einlagen bei Banken auf einen Teil ihrer Sparguthaben verzichten sollen und die Einlagensicherung ausgehebelt wird, wird politisch mit „russischen Oligarchen“ argumentiert, die „zur Kassen gebeten werden sollen“. Abgesehen davon, daß diese Argumentation ziemlich chauvinistisch ist, trifft sie nicht zu: Den Hauptteil der Last werden ganz andere tragen, wie man hier bei André Kühnlenz (früher bei der Financial Times Deutschland), unterstützt von einer informativen Graphik über Quellen zypriotischer Einlagen, erfahren kann. Bei ihm finden sich auch viele weiterführende Links, die einen Überblick über die Einschätzung des Pakets geben.

Wie es weitergeht, werden wir bald wissen. In Zypern gibt es anscheinend heftigen Widerstand; doch selbst, wenn das zypriotische Parlament das Paket nicht beschließen sollte, wäre das Vertrauen in den Finanzplatz Zypern zerstört, was wohl in gewisser Weise auch eine der beabsichtigten Effekte der Maßnahme war. Offensichtlich ist aber, daß der ganze Rettungsmechanismus bedenklich undemokratische Züge trägt. Italien wurde von außen eine nicht-gewählte Regierung aufgedrängt, in Zypern ist demokratische Mitsprache für den Plan der Geberländer nur störend, zum Mechanismus und die Kommunikation der Griechenland-Rettung auf Geber- wie Nehmerseite brauche ich wohl nicht mehr zu sagen.

Tyler Cowen schreibt völlig richtig:

The broadest lesson of them all concerns the dangers of framing when you play the same game over and over again (attn: U.S. fiscal policymakers).  German policymakers/voters have felt backed into a corner by repeated bailouts and that is when stupid choices start being made.  This could go down as a blunder of historic proportions.  It also shows that EU governance already is a disaster and profoundly anti-democratic in the worst sense of that term.

Zum Abschluß noch ein FAZ-Zitat aus einem Bailout-kritischen Artikel, daß meine Stimmung auf den Punkt bringt:

Nun sieht in Zypern jeder Euro-Bankkunde, wie ihn die Eurogruppe enteignen kann, wann immer es ihr beliebt. Für den Euro-Anleger gibt es keine Sicherheit mehr für sein Sparguthaben. Seit in der Währungsunion der Bailout ein Gewohnheitsrecht ist, gelten keine Regeln und gibt es kein Vertrauen mehr.

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