Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn!


Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche – mit einem lauten, lärmenden Einzug, einem Volksfest, heller Aufregung. In diesem feierlichen Einzug ist der furchtbare Auszug aus der Stadt, den Jesus am Karfreitag zu gehen hat, schon angelegt, und so ist es gar nicht so verkehrt, wenn auf Deutsch die Woche, die mit dem Palmsonntag beginnt, eben „Woche der Trauer“, Karwoche, heißt. Freilich ist es auch eine „Hebdomada Sancta“, eine heilige Woche, in der das ganze Heilsgeschehen auf engsten Raum komprimiert ist.

Jesu Jüngerschar ist an jenem Sonntag groß, wie es immer ist, wenn man erfolgreich zu sein scheint. Und sie grüßt Jesus als König, sie ruft:

λέγοντες· εὐλογημένος ὁ ἐρχόμενος, ὁ βασιλεὺς ἐν ὀνόματι κυρίου· ἐν οὐρανῷ εἰρήνη καὶ δόξα ἐν ὑψίστοις. (Lk 19,38)

Sie sagten: Ein Gepriesener sei der Kommende, der König, im Namen des Herrn; im Himmel Friede und Ehre in den Höhen. (Meine Übertragung)

Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe! (Einheitsübersetzung)

Dieser Aufruf ist anfangs ein Zitat aus Psalm 117 (118 H), das wie für die Karwoche geschrieben scheint:

[…] Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken. Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein. Ich danke dir, dass du mich erhört hast; du bist für mich zum Retter geworden. Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder. Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen. Ach, Herr, bring doch Hilfe! Ach, Herr, gib doch Gelingen! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. […]

Doch sie erweitern es um den Königsruf. Das kann eine Provokation der römischen Machthaber sein, es ist wohl eine Provokation der Schriftgelehrten, wird doch etwa in Psalm 24 der Herr selbst als König identifiziert, und ein weltlicher König würde auch kaum Frieden im Himmel bewirken. So ist es verständlich, wenn die Pharisäer rufen: „Meister, bring Deine Jünger zum Schweigen!“ Doch es geht nicht: Die Freude ist zu groß, die Wahrheit kann nicht verschwiegen werden.

Die Jüngerschar ruft wegen Jesu’ mächtiger Taten, wie der Evangelist verrät, der vielen Wunder, der eindrucksvollen Worte. Als aus dem mächtigen Prediger ein Gefangener wird, schmilzt diese Jüngerschar freilich schnell zusammen, und die großen Wunder sind schnell vergessen.

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